|
(25.01.10) Künstlerhaus Wien
Kampf um die Stadt. Politik, Kunst und Alltag um 1930 19.11.09 bis 28.03.10 "Zwischenkriegszeit": Zum Verlust der Mitte Unter dem Titel „Kampf um die Stadt. Politik Kunst und Alltag um 1930“ versucht der Direktor des Wien Museum und Kurator der Ausstellung, Wolfgang Kos, in einer groß angelegten Ausstellung im Künstlerhaus in Wien gesellschaftspolitische Tendenzen dieser Zeit aufzuzeigen. Es ist eine Schau, die versucht, Befindlichkeiten und Lebensgefühl der 20er und 30er Jahre zu vermitteln. Sie zeigt an Hand von Exponaten das urbane Wien mit seinen Lichtereklamen, Bars und liberalen Schriften und setzt sie der kruden Volkstum-Ideologie der rechten Kräfte gegenüber. Um 1930 scheint der Kampf zugunsten der rechtkonservativen Kreise in Wien entschieden zu sein, deshalb wählt Wolfgang Kos das Jahr 1930 als Wegmarke. Ein wenig fehlen im Rundgang durch das obere Stockwerk, das sich in Kapiteln wie „Cafe Electric“, „Projekt Rotes Wien“, „Wochenende und Sonnenschein“, „Aus grauer Städte Mauern“, und „Scholle und Pulverschnee“ präsentiert, die politischen Fakten. So wird die Sonderstellung Wiens, ab 1921 eigenes Bundesland und im Gegensatz zur konservativen Bundesregierung sozialdemokratisch regiert, zwar erwähnt, von der Polarisierung und zunehmenden Radikalisierung der Kräfte ab 1927 in Folge des Jusitzpalastbrandes erfährt man aber erst in einer historischen Zeittafel im Untergeschoß der Ausstellung: das Urteil über die Ereignisse in Schattendorf am 14. Juli 27, wo ein angeklagten Frontkämpfer, der ein Kind und einen Kriegsinivaliden getötet hatte, freigesprochen wurde, führte in Wien zu Demonstrationen der Arbeiterschaft und zum Justizpalastbrand am 15. Juli 1927. In Folge verstärkte der Bundeskanzler Seipel seinen autoritären antisozialistischen Kurs in Form einer rechten Einheitsliste, die gegen die Sozialdemokratie Front machte. Damit begann die sukzessive Zurückdrängung der linken Kräfte, die in der Ausschaltung der Demokratie 1934 und im Verbot der Sozialdemokratie ihren Höhepunkt fand.
Susanne Rohringer
Künstlerhaus Wien |
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|