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(04.12.09)
Kunstverein das weisse haus
Bernhard Hosa & The Sheep Ink. Foundation presents zweintopf: jung und willig 11.11.09 bis 12.12.09
Modisch und modern
Kate Moss hat sich madig gemacht mit der Aussage, kein Essen schmecke so gut wie das Gefühl, dünn zu sein. Weil sie mit ihrer schlanken Linie viel Geld verdient und visuell Verführbare also bezahlt zur Magersucht animiert, ist diese Aussage hervorragend politisch inkorrekt aufgefasst worden. Keine Kunst gefällt uns so gut wie das Bild, das uns so attraktiv macht wie Kate Moss – ob diese Analogie greift, kann sofort untersucht werden, am Ort für junge Kunst, dem Weissen Haus, und den Ausstellungen „…DIN A4, DIN A3, DIN A2…“ von Bernhard Hosa und „The Sheepink foundation presents Zweintopf: jung und willig“ vom Künstlerpaar Zweintopf. Beide Ausstellungen sind räumlich deutlich voneinander getrennt.
Erstaunliche Gemeinsamkeit jedoch ist der Eingriff in die Bewegungsfreiheit des Betrachters. Die Ausstellungsräume von Bernhard Hosa werden durch Gewindestemmen und Keile horizontal bzw. vertikal verbaut. Um die Installationen von Zweintopf (Eva und Gerhard Pichler) führt ein mittels Elektrozäunung abgesperrter Parcours an den Wänden der Ausstellungsfläche entlang, etwa in Schafsbreite. Eine weitere Gemeinsamkeit ist, daß beide Positionen systemkritisch vorgehen, wobei die kritisierten Systeme verschieden sind und die Methoden der Kritik auch. Hosa hinterfragt Normensetzung und - veränderung mittels pointiert eingerichteter Inszenierungen, in denen normale Objekte unnormal behandelt konzeptuelle Energien entfalten können. Das klärt nichts Neues, ist aber angenehm mittelabenteuerlich. Der Schafsdraht bei Zweitopf hingegen – ist er stehbluesförderlich oder sollen wir auch ein bißchen an Guantanamo denken? Ansonsten kann man nicht über abwesendes ökologisches Bewußtsein klagen. Der Versuch, Vermarktung durch Übertreibung anschaulich werden zu lassen wirkt spielerisch bis borniert oder raffiniert oder ausprobiert. Wie alles gemeint ist sagen auch Pressetexte und Videofilme mit Interviews der Künstler.
Zwei Ausstellungen also handeln materiell mit schlanken auch weiblichen Betrachtern, die lesen können, fernsehen und spüren, daß nicht alles ganz in Ordnung ist, obwohl es so aussieht – halt wie Kunst, mit der normativ natürlich nie alles ganz in Ordnung ist. Wann gibt es denn wohl in Wien mal eine moderne Kate-Moss-Ausstellung?
Gesche Heumann

Kunstverein das weisse haus 1010 Wien, Wollzeile 1, 4. + 5. Stock email: buero@dasweissehaus.at http://www.dasweissehaus.at Öffnungszeiten: Di - Fr 14:00 – 19:00, Sa 12:00 – 17:00 Uhr
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