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Keine Angst vor Soz-Art

Nina Schedlmayer, 11.12.09

Überforderung ist ein Hilfsausdruck: Rund 400 Arbeiten von 200 Künstlern und Künstlerinnen hat die Kuratorin Bojana Peji? gemeinsam mit einem Heer von „Researchers“ für die Ausstellung „Gender Check. Rollenbilder in der Kunst Osteuropas“ im Mumok versammelt. Bei der Pressekonferenz pariert sie einer dementsprechenden Frage gleich mit der Gegenfrage, ob man sich etwa vor so viel Kunst fürchte.

Eines lässt sich über die Riesenschau jedenfalls sagen: Selten hat man an diesem Ort so viele hierzulande bis dato unbekannte Positionen entdeckt – und zwar über mehrere Generationen hinweg. Dass man neben der „inoffiziellen“ Kunst auch jene zeigt, die vom jeweiligen Regime gefördert wurde, erweist sich als kluge Entscheidung: Ein adäquates Bild über das Kunstgeschehen der vergangenen fünf Jahrzehnte kann schließlich nur gegeben werden, indem auch die „Soz-Art“ in den Diskurs mit einbezogen wird.

Dabei schafft die Ausstellung das Kunststück, ohne erhobenen Zeigefinger unterschiedliche Zugänge zum Thema darzulegen. Dass die Malerei von im Kommunismus angesehenen Künstlern und vor allem Künstlerinnen nicht eins zu eins als regimetreu betrachtet werden kann, wird angesichts jener Gemälde deutlich, die das Frauenbild im scheinbar so gleichberechtigten Kommunismus durchaus problematisieren.

Vieles hat Platz in dieser ausufernden Schau: Mutterrollen (Katarzyna Górna, Anna Kovshar, Ieva Iltnere), Homosexualität (Jaroslaw Modzelewski und Marek Sobczyk, Marju Mutsu) Pornografie (Jelen Radi?, Eva Filová, Anetta Mona Chisa und Lucia Tká?ová), häusliche Gewalt (Ágnes Szépfalvi, Rovena Agolli), Frauenbilder (Sanja Ivekovic, Margit Anna), aber auch, wichtiger, Männerbilder (Zaneta Vangeli, Dren Maliqi, Jana Zelibská).

So zweifelhaft Ausstellungen, die Kunst aus bestimmten Regionen versammeln, bisweilen auch sein mögen – unter der Fokussierung auf Gender-Rollen erscheint die geografische Eingrenzung sinnvoll, ist doch die Geschichte der Geschlechter im kommunistischen Westen anders verlaufen als im kapitalistischen Westen. Angesichts der Größe der Ausstellung sollte das Mumok jedoch ernsthaft die Ausstellung eines Generalpasses erwägen – ein einziger Besuch wird für diese Schau keineswegs ausreichen.


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MUMOK Museum moderner Kunst
1070 Wien, Museumsquartier, Museumsplatz 1
Tel: +43 1 52 500
Fax: +43 1 52 500 13 00
email: info@mumok.at
http://www.mumok.at
Öffnungszeiten: Täglich: 10.00–18.00 Uhr, Do: 10.00–21.00 Uhr


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Neuerlicher Versuch, ein Gemälde von Lucian Freud zu finden weiter

 

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MUMOK Museum moderner Kunst
Gender Check - Rollenbilder in der Kunst Osteuropas

13.11.2009 bis 14.02.2010

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