Und täglich grüßt das Murmeltier
Nina Schedlmayer, 26.10.09
Zunächst vermutete ich ein Versehen. Kann ja schon mal passieren, dass, zum Beispiel, ein Word-Dokument falsch abgespeichert wird oder ein Papier nicht im richtigen Ordner landet. Gerade in einer viel beschäftigten Presseabteilung wie jener der Albertina wäre sowas vorstellbar – obwohl es mich schon ein bisschen gewundert hat, sonst sind die dort ja recht professionell.
Was mir so merkwürdig am – Anfang voriger Woche bekanntgegebenen und erwiesenermaßen korrekten – Albertina-Jahresprogramm für 2010 vorkam, war, dass es mir so bekannt erschien. Nicht aus Wien oder überhaupt Österreich, nicht aus der Oberhuber- oder gar Koschatzky-Zeit – sondern aus der Albertina des laufenden Jahrhunderts. Und täglich grüßt das Murmeltier.
Das Ausstellungsjahr startet man mit „Werken aus der Daimler Kunst Sammlung“ – neben einer Videoinstallation von Sylvie Fleury handelt es sich dabei um Arbeiten von Andy Warhol und Robert Longo (Warhol zuletzt: 2006/07, Longo: 2003). Danach gibt es eine Schau über Jakob und Rudolf von Alt (noch in guter Erinnerung: die groß angelegte, äußerst sehenswerte Rudolf-von-Alt-Schau 2005 anlässlich dessen 100. Todestages); im Mai folgen „Prints“ von Alex Katz („Kartons und Gemälde“ zeigte man 2004/2005). Die Herbstsaison beginnt mit „Picasso: Peace and Freedom“ (ziemlich genau vier Jahre nach „Picasso: Malen gegen die Zeit“), dann kommt Michelangelo an die Reihe („Michelangelo und seine Zeit“ im Jahr 2004 zeigte ohnehin nicht so viele Arbeiten des Renaissancemeisters selbst). Die Sammlung Forberg präsentiert man ab Dezember – Teile davon waren bis vor einigen Monaten gemeinsam mit der Sammlung Batliner zu sehen. Freilich muss man auch die Ausstellungen von Markus Lüpertz, Max Weiler, Heinrich Kühn, Walton Ford und William Kentridge erwähnen. Die hatten in den letzten zehn Jahren alle noch keine Albertina-Soloshow. Damit wären wir, grob gesagt, bei einem Verhältnis von 50 zu 50 – Hälfte der Künstler (komisch, fast ausschließlich Männer) in jüngster Zeit abgefeiert, Hälfte nicht.
Da muss man natürlich an Edelbert Köb die dringliche Frage richten: Warum sehen wir nicht endlich Yves Klein im Mumok? Und Agnes Husslein wird sich die unangenehme Erinnerung an Ferdinand Waldmüller gefallen lassen müssen, dem man spätestens, aber auch allerspätestens 2011 eine Personale widmen sollte. Peter Noever könnte eigentlich mal eine Coop-Himmelb(l)au-Ausstellung machen, und warum zeigt Sabine Haag nicht demnächst Tizian? Das wäre doch längst überfällig!

