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Da ist ein Licht am Ende der Kaverne

Ein zweiter Rundgang zu Ausstellungen rund um die „Spiele der Mächtigen“ in Salzburg:

Looks like Holy Spirit

„Konservativ liegt wieder voll im Trend,“ sagt die Werbung. Der Bank Austria, deren Sammlung „Fotografis“ noch bis einschließlich 18. Oktober im MdM Mönchsberg zu sehen ist... Man muss nur lange genug drauf- oder durchhalten, um unaufhaltsam und unvermeidlich zum unantastbaren Klassiker h. c. zu avancieren. Vom Mittelbürgerschreck zum Staatskünstler und Hofmaler der „schlampigen Republik“ (Rudolf Burger). Wohl oder übel. Apropos: Tatort Kavernen 1595, einer „Eventlocation der ganz besonderen Art“, und ein ehemaliger Weinkeller(!) obendrein, wo der altmeisterliche Lehrbeauftragte eines eher mysteriös daherkommenden Theaterns zwischen Orgie und Kyrie, Kunst, Kitsch und kultischer Verehrung, Hermann Nitsch, seine bildmächtigen Duftmarken setzen darf. In einem ersten Aufzug der Wiener Nitsch Foundation und retrospektiven Rücksichten auf 45 Jahre Werkgeschichte.
In Relikten und Reliquien, Reservaten und Derivaten des „Sakralen“. Und Nitsch als Mysteriker eines verschütt gegangenen Evangeliums von und zu eigenen Gnaden. In einem nunmehr patentwürdig gewordenen Aktionismus der patinierten Weisen. In seinen „Schüttbildern“, die tsunamisch über die eingeschworene Gemeinde kommen mögen. Wo sich die Ströme des Bedeutungsträchtigen, eingekeltert in vielen verschiedenen Farben und Formaten, Themen und Techniken zügellos ihren Weg bahnen. Enthoben. Entrückt. In ritualisierten, fast schon pragmatisierten Exzessen bestens inszenierter wie zelebrierter Skandälchen. Zementiert. Was unausweichlich in die sakrosankten Sphären eines pastoral-professoralen Propheten des überirdischen Übersinnlichen ragen kann. Im Rahmen seines Orgien-Mysterien-Theaters. Und vorzugsweise unterirdisch. „im unterreich, im grab, in der erde, ereignet sich der keimende todesschlaf.“ (H. Nitsch, 1976)

Einsam: Auf dem Gipfel?

Klassiker gleich Quote. Fix. Im marktkonformen Doppelpack allemal. Von wegen: Akquise und Expansion in der Extremsituation der F-Krise. Mit Brus / Rainer als „Kapitän(e) des Narrenschiffs“. Als Vorgriff ihrer Albertina-Schau in der turnusgemäß gastierenden Galerie Heike Curtze. Devise: Finger weg von toxischen Papieren der Kunst! Als typengerechter Fall einer festiven Festspielausstellung mit den mehr als handelsüblichen, weil unverdächtigen „Künstlern der Galerie“. Petits Fours von Sinn und Sinnlichkeit. Kaum in die soften Schranken gewiesen durch ein übergreifendes Thema wie in der Galerie Altnöder, die im Jubeljahr der runden Jubiläen ihr 25. Bestehen feiert. Und ein wohldosiertes wie wohl sortiertes „Best of“ feil bietet. Aus hauseigenen Entdeckungen zwischen Wieder und Neu. Wie dem beinahe allzu hippen Christian Eisenberger, der zusammen mit Billi Thanner und Barbara Husar als Satellitenkünstler der Galerie Konzett seine neo-aktionistischen Ausbrüche, Aus- und Einfälle in der Galerie DAS ZIMMER ausbreiten darf. Packend. Mit temporären nackigen Tatsachen (Performance!). Schätzchen, lass es krachen. New Punk der Generation Facebook. Für immer jung (geblieben) und wild (geworden).
Weltberühmt in Österreich? Und dann? Die Galerie Weihergut entwirft in einem selektiven Rückblick auf fünf Jahrzehnte heimischer Präsenz auf den Bühnen von documenta Kassel und Biennale Venedig eine anheimelnde Kollektion musealen Ausmaßes auf Zeit. Als veritables wie profitables Profil der alpenrepublikanischen Seh- und Seelenlandschaften. Mit der ersehnten Umwegrentabilität. Durch den Quantensprung in das kalte klare Wasser eines Marktes vor den rettenden Gestaden der Internationalität. In einem atemlosen Panorama heutiger Gipfelstürmer und angeheuerter Seilschaften. Und ihrer neurotischen Einsichten und Einblicken. Wie beim omnipräsenten Bruno Gironcoli und seinen technoiden Anverwandlungen des phantastischen Naiven. Oder den Fuß-Ballerinen Maria Lassnigs, die, mit gelegentlichen ausfallenden Tacklings und tödlichen Blutgrätschen, vom unentwegten Kampf ihrer unerbittlichen Geschlechtsgenossinnen erzählen.

Mein Minimalismus beginnt zu Hause

Portraits der exquisit und elegant gesetzten Art von Distanz und Nähe hingegen in der ersten Österreich-Show der britischen Künstlerin Clare Goodwin (UBR Galerie). Was da so angenehm unterkühlt, geometrisierend wie abstrahierend oder auch nur rein dekorativ daherkommen mag, sind im Grunde genommen die Abbilder, Abzüge und Abziehbilder von Pärchen / PassantInnen. Und wie sie sich zwischen Heim und Herd, Home & Garden eingerichtet haben. Wo Textilien als Texturen im Text verschmelzen. Der lesbar sein sollte. Formal auf das Minimum von Linie, Fläche, Form und Farbe reduzierte Alltäglichkeiten von Wohn-, gleich Kochlandschaften. Als detailgetreue Aufrisse eines veräußerten Innenlebens. Die Tiefe und einen tieferen Sinn nicht leugnen. Das gewohnte Drama zwischen Hoffnung und Verzweiflung, Abwasch und Abschied in ihre perfekt und glatt polierten Oberflächlichkeiten einbinden. Von wegen: Gegessen wird zu Hause...

And that’s a Fact

Flash. Plus Light. Für den kurzweiligen Augenblick des desinteressierten Wohlbefindens blitzt sie dann auf. So kurzzeitig wie langfristig: Die Wahrheit selbst, möglicherweise. In den untrügerisch vor sich hin und her schimmernden Silbertönen eines Quadrats von Bernard Aubertin, des künstlerischen Weggefährten von Yves Klein. Dessen 75. Geburtstag derzeit standesgemäß in der Stiftung für konkrete Kunst in Reutlingen begangen wird (Tipp!). Angemessen. Der dann eben nicht die eine, weil scheinbar einzig mögliche Erfüllung oder Erlösung anbietet (siehe weiter oben). Sondern sich in der Galerie Judith Walker und den Hallen der hyper-repräsentativen Max-Gandolph-Bibliothek als wohlweislich zurückhaltender Meister eines dezenten alchemistischen Wandlungsprozesses erweist.
Jenseits obskurer Macharten oder Machenschaften. Wo ein zugrunde gelegter Rot-Grund (Blut und Feuer!) nun nicht in das ersehnte Gold der Weisen mündet. Sondern an der so viel sagenden, wie vielschichtigen Silbrigkeit halt macht. Machen muss. Das Bild – versilbert und verzinst - als labiler Zustand. Und immer mit der Option des Scheiterns, abzugleiten in ein nur mehr dumpfdreist brütendes Grau.
Also: Bitte nicht nach Hause schicken, in das allzu tief gegriffene, abgrundtief hängende Tal der eitlen Seelen-, wie Nabelschau. Und bitte keine breit getretenen Heilsbotschaften mehr, im wirren Kosmos von Ego, Manie und diverser Trips. Die Monochromie. Wo dem Betrachter „fast nichts“ offeriert wird. In Ansatz und Anspruch. Als Annäherungswert. Im einsilbig gefärbten Bild als Gegenstand in einer gegenstandslosen Welt. So unhintergehbar wie unhinterfragbar. Als Faktum, Tatsächlichkeit. Was nun, anders gesehen, in jeder Hin- und Ansicht der wesensgemäße Gegenspieler eines Faktotums sein sollte...

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