Lieber Papst,
Manfred M. Lang, 12.08.09
entschuldige, dass ich dich in deinem Urlaub störe, aber es muss sein.
Du hast vielleicht schon etwas von einem gewissen Jörg Haider gehört. Das war der Kärntner Politiker, der sich flitzschnell und betrunken in seinen eigenen Tod katapultiert hat. Jaja, genau der.
Jetzt war dieser Jörg Haider zu Lebzeiten schon ein Kärntner Darling.
Aber nach seinem Tod wird’s jetzt doch ein bissl eigenartig. Da gibt’s nämlich Bestrebungen, dich lieber Papst für eine Jörglseligsprechung zu animieren.
Nicht, dass ich dich jetzt beeinflussen will. Aber ich möchte doch gerne darauf hinweisen, dass das ihm gewidmete Museum erst im Aufbau ist.
Was ja insofern kompliziert erscheint, weil diese Museumsgründung aus dem Kulturbudget bezahlt werden soll. Aber vorsorglich wird der Kulturetat sowieso dem Unterrichtsetat zugeschlagen. Und mit der gewünschten Seligsprechung wäre das ganze dann irgendwie mit dem Religionsunterricht erklärbar. Und dann wird’s halt katholisch.
Ich weiß lieber Papst, das geht dich persönlich vielleicht noch nichts an – da hast du sicher deine diversen Untergebenen. Aber ich will nicht, dass du demnächst den toten Landeshauptmann selig sprichst. Du erinnerst dich, dass er das auch war.
Solltest du unbedingt einen Österreicher selig sprechen wollen, dann ist es im Notfall allemal besser, du nimmst in ein paar Jahren mich dafür.
Ich bin zwar keine Persönlichkeit, die Außerordentliches für die Menschheit geleistet hat, andererseits hat, glaube ich, auch der betrunkene Tote nicht wirklich was für die Menschheit geleistet. Weil wir wissen ja beide, dass die Menschheit etwas ganz Besonderes ist.
Sicherlich war der LH Haider in den Medien viel präsenter als ich, aber auch das hat ja mit der Menschheit an sich nichts zu tun.
Und lieber Papst, sollte ich kein würdiger Seligsprechungsösterreicher sein – ich kann dir gerne noch einige besonders Würdige nennen.
Ruf mich einfach am Handy an.
Dein Dich ringküssender

