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(30.09.08)
Landesgalerie am OÖ. Landesmuseum


Politische Skulptur - Barlach, Kasper, Thorak, Wotruba
18.09.08 bis 16.11.08

Antihelden-Erzählungen

Die Frage ob und, wenn ja, wie NS-konforme Malerei und Skulptur – vulgo Nazikunst – ausgestellt werden kann, ist nach wie vor umstritten. Die Arno-Breker-Ausstellung in Schwerin jedenfalls gibt in diesem Kontext eindeutig ein Negativbeispiel ab. Eben dorthin haben die Verantwortlichen der Ausstellung „Politische Skulptur“ in der Landesgalerie Linz eine Exkursion unternommen – um sich anzuschauen, wie man es nicht macht.

Wenn die Schau – kuratiert von einem ganzen Team von Wissenschaftern nun sowohl Ernst Barlach und Fritz Wotruba auf der einen, dem Propagandisten Josef Thorak und den regional verankerten Ludwig Kasper auf der anderen Seite nebeneinander zeigt, dann mag das auf den ersten Blick merkwürdig wirken. Tatsächlich ist eine ebenso informative wie instruktive, sensibel aufbereitete Zusammenschau herausgekommen, die nicht einmal ansatzweise tauglich ist für Beifall von der falschen Seite. In einer an den Brutalismus angelehnten Sperrholz-Architektur (Gerold Tagwerker) präsentiert man unprätentiös Arbeiten – am wenigsten Skulpturen sind übrigens von Josef Thorak zu sehen, zunächst monografisch, jeweils einen Künstler für sich allein.

Auf große Formate aufgeblasene Fotos geben einen Eindruck von den Arbeiten in historischen Ausstellungssituationen, und Kurztexte von den Biografien der Künstler – da erfährt man etwa, dass sich Thorak von seiner Frau aufgrund ihrer jüdischen Herkunft scheiden ließ, dass Barlach bis zu seinem Tod gegen das NS-Regime kämpfte, dass Ludwig Kasper – als Figur paradigmatisch, weil äußerst zwiespältig – Mitglied einer politisch durchaus heterogenen Ateliergemeinschaft war, und wie Wotruba am Roten Wien gut verdiente. Erst in den letzten beiden Räumen wird fassbar, wie nach 1945 plötzlich Künstlerbiografien einander berührten – wie etwa Barlach zu einem DDR-Held wurde, wie sich auf einmal ein Wotruba-Relief neben einer Thorak-Skulptur findet.

Mehr Ausstellungen wie diese würde man sich wünschen. Sie sagen über einige Dekaden der österreichischen und deutschen Kunstgeschichte mehr aus als diverse monografische Heldenerzählungen.

Nina Schedlmayer

Landesgalerie am OÖ. Landesmuseum
4010 Linz, Museumstraße 14
Tel: +43-732 - 77 44 82 - 43, 44, 28
Fax: +43-732 - 77 44 82 66
email:
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http://www.landesgalerie.at
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