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Dominik Steiger - Kosmöschen Steiger: Klee von unten

Kosmöschen Steiger: Jemandem, der aus Wien kommt, der im Jahr 1959 noch nicht volljährig seine, wie er es nennt, „erste Regung“ verspürte und fortan, wieder seine Worte, „neuroerotisches Material“ hervorkehrt, glauben wir nicht, dass bei der Nennung dieses Titels nur der Dimunitiv gemeint ist: Dieser Kosmos ist subkutan, er hat etwas zum Kosen, und was das ist, dafür braucht es ein wenig ins Argot abgerutschtes Hochdeutsch und ein wenig Freud’sches Leisten. Dominik Steigers Gesamtschau in der Galerie Hohenlohe ist schon vom Motto her ein kleines Stück Abgrund, und zu jeder winzigen Ordnung lauert das nicht minder infinitesimale Chaos. Dominik Steiger ist ein Meister der kleinen Form. Darin ähnelt er Paul Klee, um ihn sozusagen in die Nachkriegsära zu übersetzen und ihn anzureichern mit all den Ahnungen und Ahndungen, die der Psyche seither zugefallen sind. Wie Klee geht Steiger durchaus monomanisch zu Werke, mit viel Humor und Skurrilität, doch stets nach Maßgabe seiner ureigenen, man möchte sagen: Feinmotorik. Und auch seine Methode hat etwas Beckmesserisches und Kläubelndes, er scheint es fürchterlich genau zu nehmen, und man sieht seinen Figurationen an, wie der Meister sich über sie beugt, um sie herauszupräparieren aus dem Fundus der Vorlagen mit extra dünner Feder und extra angestrengter Technik. 35 Jahre eines quergelegten und schräg gestellten Oeuvres sind so bei Hohenlohe zusammengekommen, ihrerseits zu einer Retrospektive en miniature: Die frühen liliputanischen Gefüge der „Knöchelchen“, die Flaschen, bei denen, bemalt und beschriftet, die Post außen angebracht ist, Fotos und Bücher und Kulturcollagen, und als Nudelhölzer oder Leinwandbilder alles, was sich rollen lässt. Steiger verbreitet Botschaften, und was eine kindlich gebliebene Phantasie dafür an Medien findet, steht als Instanz für die Kunstwerdung bereit. Hätte er das Foto zeigen sollen? Jenes, auf dem Steiger drauf ist, Attersee, Oswald Wiener und all die Herren auf dem Tigersprung in die Weltgeltung sowie eine Frau, deren Name in der beigefügten Beschriftung schlicht „Ingrid“ lautet. Ein Dokument eigener Fasson. Auch hier artikuliert sich eine Nachkriegsära.
Dominik Steiger - Kosmöschen Steiger
11.04 - 10.05.2008

Galerie Hohenlohe
1010 Wien, Bäckerstrasse 3
Tel: +43 1 512 97 20, Fax: +43 1 512 74 19
Email: galerie@galeriehohenlohe.at
http://www.galeriehohenlohe.at
Öffnungszeiten: Di-Fr 11-18 Uhr; Sa 11-15 Uhr


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