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Die Kunst bin ich

Ein kurzer Rundgang durch die Diplompräsentationen der Akademie der bildenden Künste Wien im Ausstellungsraum xE Ecke Eschenbachgasse/ Getreidemarkt und dem Atelierhaus in der Lehargasse.

Kann Kunst heilen? - fragt man sich im Untergeschoß des Ausstellungsraums xE. Wohl nicht direkt, dennoch kann sie ein Ausdruck sein für innere Entwicklungen, Auseinandersetzungen und die Überwindung von Blockaden. Für Sophie Utikal, als Kind kolumbianischer Eltern in den USA geboren und in Deutschland aufgewachsen, sind ihre großformatigen Textilbilder Ausdruck ihrer sehr persönlichen Auseinandersetzung mit den Gefühlen, einer „farbigen Migrantin“ (Utikal) in Deutschland und Österreich zu leben. Gleichzeitig schafft sie darin einen Ausdruck für ihre eigene Form der Selbstermächtigung und Überwindung des latenten Rassismus in der Gesellschaft, die sie in der Körperarbeit und Ausbildung zur Körpertherapeutin nach Grindberg gefunden hat.
Seine persönliche Geschichte als Leistungsschwimmer verknüpft Andreas Dvořák mit der Geschichte des Stadionbads, das 1931 anlässlich der 2. Arbeiterolympiade erbaut wurde. In einer kurzen Performance verknüpft Dvořák seine Buntstiftzeichnungen der Architektur des Bades mit Körperposen von sportlichen Betätigungen. Die Architekturporträts alleine vermitteln diese Verknüpfung allerdings nicht.
Kunst und Leben will auch Nina Vobruba mit ihrer Installation nest bau verbinden. Die Künstlerin lebt mit rund 70 Menschen gemeinschaftlich in einer ehemaligen Kaserne in der Südoststeiermark. Ihre Installation hat sie aus Fundstücken vom Kasernengelände entwickelt, die einen sehr persönlichen Blick auf ihre Vorstellungen und Erfahrungen vom Leben in der Gemeinschaft präsentiert.

Situationen, Bilder und Stimmungen die ihm beim Spazierengehen auffallen, verarbeitet Eiko Gröschl in seinen kleinformatigen Ölmalereien. Auch hier steht das individuelle Erleben des Malers im Vordergrund der an Momentaufnahmen erinnernden Bilder.

Etwas weniger persönlich sind die Diplomarbeiten im Atelierhaus Lehargasse angelegt. In die aktuelle Auseinandersetzung mit queeren Themen passt Lisa Bergerés Beitrag Clown, Frau Clown, Clown_in, mit dem Sie die Entwicklung der ursprünglich meist männlich konnotierten Figur des Clowns anhand eines Videos und einer Plakatinstallation zur „Frau Clown“ und schließlich einer geschlechterneutralen „Clown_in“ entwicklet und damit auch das subversive Potential der Figur in der Gesellschaft hervorhebt.
Gerade einmal 20 Tage bestand das Außenlager „Wels 2“ des KZ Mauthausen, das noch am 25. März 1945, also 20 Tage vor Kriegsende, errichtet wurde und in dem 2400 Häftlinge unter besonders harten Bedingungen untergebracht waren um Bombenschäden zu beseitigen. Heute befindet sich an diesem Ort ein Kinderspielplatz, umgeben von Wohnhausanlagen. In seiner Arbeit „Pyjama Man“ versucht Leo Mayr die Adaptierung eines Mahnmals, das ausgehend vom kollektiven Gedächtnis der Bilder von KZ-Häftlingen eine Übersetzung in die Erlebniswelt der spielenden Kinder erreicht und so die Erwachsenen zur Erklärung oder deren Verweigerung zwingt.
Im Mehrzwecksaal des Atelierhauses überwiegt klar die Zweidimensionalität, etwa mit Tim Sandow. Die Protagonisten seiner Bilder changieren zwischen der Isolation gescheiterter Existenzen und einer trügerischen Idylle von Mensch-Tier-Beziehungen. Einen sehr speziellen Zugang zur Umweltthematik zeigt Jakob Veigar Sigurdsson. In Reykjavik geboren, arbeitete er zunächst als Hoch- und Tiefbauingenieur bevor er sich der Kunst zuwandte. In seiner aggressiv-bunten Malerei setzt er auf Schmetterlinge gegen Beton und will die Betrachter auffordern, sich ihrer Verantwortung bewusst zu werden.

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Die Diplompräsentationen sind noch bis 28. Juni zu sehen.
Alle Orte und Öffnungszeiten unter -->www.akbild.ac.at

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