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Der Zukunft herzlichst gewidmet: Erfrischende Heterogenität

Das Schöne an privaten Kunstsammlungen ist, dass sie radikal subjektiv sein können. Ob breit aufgestellt oder in die Tiefe gekauft wird, bleibt alleine den Sammler*innen überlassen und über die Jahre können sich daraus eindrucksvolle Kunst-Konglomerate ergeben. So auch bei der mehr als 2500 Werke umfassenden Sammlung von Herbert Liaunig, die seit 2008 jährlich einzelne Aspekte aus der jahrelangen Sammlungstätigkeit des Industriellen im Museumsbau des Wiener Architekten-Team querkraft in Neuhaus in Kärnten präsentiert.

Die Auswahl der Kunstwerke für die Saison 2019 haben Kurator Günther Oberhollenzer und Peter Liaunig übernommen. Peter Liaunig, der jüngere der beiden Söhne Herbert Liaunigs hat 2018 auch die Leitung des Museums übernommen.

Der Ausstellungstitel „Der Zukunft herzlichst gewidmet“ entstammt einem Werk des 2009 in Australien verstorbenen österreichischen Künstlers Claus Mayrhofer Barabbas und ist wohl auch als Bekenntnis zur Fortführung der Sammlungstätigkeit zu sehen.
Liaunig und Oberhollenzer haben eine in fünf Kapitel gegliederte Sammlungsschau zusammengestellt, die gerade durch ihre Subjektivität und den Blick des Sammlers auf seine Trophäen besticht.

Man betritt die Ausstellung in der Abteilung „Konstruierte Künstlichkeit“ die sich dem erweiterten Skulpturenbegriff und den „künstlichen“ Materialien in der zeitgenössischen Kunst widmet. Rudolf Polanszkys monumentale Plexiglasbilder „Reconstructions / Dunkle Spiegel“ Nr. 1 und Nr. 2 thronen da neben Michael Kienzers Materialcollagen oder Hans Kupelwiesers Plexiglasskulptur aus dem Jahr 2017. Richtig interessant wird es dann in der nächsten Abteilung die „Farbgeschichten in Rot, Blau und Gelb“ betitelt ist und in der Kunstwerke zu- und gegeneinander gestellt werden, wie es nur in einem Privatmuseum jenseits kunsthistorischer Kriterien möglich ist - schließlich spiegelt auch die Sammlung Liaunig weniger sammlungstechnisches Kalkül als Sammellust und Jagdinstinkt. So gesellt sich Paul Klees rot-blauer „Clown und seine Blume“ von 1939 wie von selbst zu Roland Goeschls „Relief in Rot und Blau“ aus dem Jahr 1963. Das intensiv blaue „Zwischenbild gelb“ von Josef Bauer geht eine sinnvolle Symbiose mit Josef Albers’ grau-gelber „Study for Homage to the Square“ ein. Danben, bei den „Malerischen Naturlandschaften“ harmoniert Herbert Boeckls expressiver „Erzberg“ mit den kräftigen Farbflächen von Hubert Schmalix’ „Yellow Hill“. Dass in der Abteilung „Körperstudien“ Arnulf Rainer, Günter Brus und Rudolf Schwarzkogler vertreten sind ist nicht verwunderlich. Eher überrascht es, dass sich „Die Spanierin“ von Josef Dobrowsky einträchtig neben dem „Selbstporträt (Ganzheit)“ von Maria Lassnig findet und gleich ums Eck die „Badende“ von Herbert Soltys. Der letzte Teil der Ausstellung, die „Fantastische Welten“ betitelt ist, wird beherrscht von einer raumgreifenden Keramik von Elmar Trenkwalder. Nicht weniger fantastisch sind die Welten, die sich die Künstler aus Gugging in ihren Werken erdacht haben. An der Schnittstelle zwischen den Körperstudien und den Fantastischen Welten überrascht dann noch die Kombination einer Skulptur von Walter Moroder mit Joan Mirós „Figure“ und Oswald Tschirtners „Sitzenden".
Eine Art Klammer zur konstruierten Künstlichkeit am Eingang bildet am Ende der Ausstellungsröhre die Installation „Klub Europa (Stegosaurus/Mammut)“ die sich bis auf die auskragende Terrasse ausbreitet.

Es ist erfrischend, wie Peter Liaunig und Günther Oberhollenzer die Heterogenität von mehreren Jahrzehnten des Sammelns zu einem lustvollen Ausstellungsparcours mit erhellenden Kombinationen zusammengestellt haben.

Die Hauptausstellung wird ergänzt von einer Werkschau des „Alten Freundes“ Wolfgang Hollegha und einer Homage zum 80. Geburtstag des Künstler-Kurator-Fotografen Peter Baum, der dem Museum seit der Eröffnungsausstellung verbunden ist - doch davon später mehr.

Der Zukunft herzlichst gewidmet
28.04 - 31.10.2019

Museum Liaunig
9155 Neuhaus/Suha, Neuhaus 41
Tel: +43 (0)4356 211 15
Email: office@museumliaunig.at
http://www.museumliaunig.at/
Öffnungszeiten: Mi-So 10-18 h


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