Werbung
,

Ed Ruscha - Double Americanisms: Zur Lage der Nation

Die Arbeiten von Ed Ruscha verhandeln eine konzeptuelle Herangehensweise der existenziellen Parameter der amerikanischen Westküste und hinterfragen in der aktuellen Ausstellung in der Secession die Lage der Vereinigten Staaten hinsichtlich ihrer politischen Verfasstheit und den Visionen, die auf dieses Staatenkonstrukt projiziert werden.


Mit „Double Americanisms“ reflektiert der wichtigste, zeitgenössische Künstler dieses Landes die Potentialität, mit der jenes Staatenkonstrukt aktuell gesehen werden kann. In drei Ebenen werden digitale Drucke seiner Malerei hinsichtlich der Symbolik der amerikanischen Flagge dekonstruiert, die jeweils in einer Spiegelprojektion verdoppelt sind und von einem ursprünglich verheißenden Gedanken der Vereinigten Staaten ausgehen, jedoch in der letzten Ebene die Destruktion derselben symbolisieren, die die einstige Vormachtstellung dieses Landes annihilisiert. Die Frage einer aktuellen Brüchigkeit dieser Nation, gepaart mit rechten politischen Tendenzen, die sich auch auf Europa auswirken, steht im Zentrum der Debatte einer Reflektion des „American Dream“, der mittlerweile nur mehr bedingt eingelöst werden kann. Welche Vormachtstellung übte Hollywood als bildsymbolisches Element aus und wie kann Kunst dieser übermächtigen Postulierung innerhalb einer kommerziellen Bildindustrie entgegenwirken? Ruscha versteht es, diese Brüchigkeit zu thematisieren und stellt zu Beginn zwei Paravents mit spiegelgleichen Visualisierungen von Hollywood ins Auge der BetrachterInnen. Kann Hollywood einlösen, was es verspricht oder sind es nur ubiquitäre Vorstellungen eines Phantasmas, dessen Kategorien der Realität nicht standhalten?


Gleichzeitig verhandelt der Künstler die Sprachidiome von Oklahoma, wo er seine Jugendzeit verbrachte, in denen doppelte Verneinungen als Bejahungen die allgemeine Sprachsymbolik eines U.S.-amerikanischen Slangs referenzieren. Auf zahlreichen Trommelfellen werden diverse Sprüche wie „I haven’t done no laundry in a long time“ aufgedruckt, die auf eine verquere Dimension sprachlicher Artefakte verweisen. Die Verquerung aktueller Politformationen steht hier am Prüfstand einer künstlerischen Artikulation, die die Wirkungsweise medialer Fehltritte antizipiert und die Frage nach einer aktuellen politischen Rhetorik der Fake News und einem nicht glaubwürdigen Informationsgehalt in den Vordergrund der Proliferation von fragwürdigen Äußerungen rückt. Bekannte Künstlerbücher wie „Sayings“ aus Mark Twains „Pdd’nhead Wilson“ verweisen auf die künstlerische Produktion von Ruscha und eine amerikanistische Debatte, die er in einer trockenen, jedoch pointierten Weise vorantreibt.

Ed Ruscha - Double Americanisms
16.11.2018 - 20.01.2019

Secession
1010 Wien, Friedrichstrasse 12
Tel: +43 1 587 53 07, Fax: +43 1 587 53 07-34
Email: office@secession.at
http://www.secession.at
Öffnungszeiten: Di-Sa 10-18, So 10-16h


Ihre Meinung

Noch kein Posting in diesem Forum

Das artmagazine bietet allen LeserInnen die Möglichkeit, ihre Meinung zu Artikeln, Ausstellungen und Themen abzugeben. Das artmagazine übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der abgegebenen Meinungen, behält sich aber vor, Beiträge die gegen geltendes Recht verstoßen oder grob unsachlich oder moralisch bedenklich sind, nach eigenem Ermessen zu löschen.

© 2000 - 2018 artmagazine Kunst-Informationsgesellschaft m.b.H.

Bezahlte Anzeige
Bezahlte Anzeige