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Archipelago - Insel des unvorhersehbaren Denkens: Über die Vielfalt des Denkens

Als bildende Kunst-Schwerpunkt der Wiener Festwochen erobert „Into the City“ ein wichtiges Territorium der Sprache und des Denkens und versammelt dazu an die 40 künstlerische Positionen in der Hauptbücherei am Gürtel. Mit dem Fokus auf archipelisches Denken wie vom Blick inmitten einer Inselgruppe aus bezieht sich das seit mehreren Jahren erprobte Festwochen KuratorInnenteam Anton Lederer, Birgit Lurz, Margarethe Makovec und Wolfgang Schlag auf die Thesen des Philosophen Édouard Glissant, die die Welt in ihrem Ganzen, jedoch in einer nicht systematisierten und immer wieder erneut auf den Prüfstand gestellten Art und Weise betrachten.


Die vorwiegend neu produzierten Arbeiten sind quer durch die Bücherei verteilt und stehen teilweise direkt mit den einzelnen Themen- und Sachgebieten in Verbindung. Marlene Hausegger etwa widmet sich einem am Boden befindlichen Regal mit feministischer Literatur, das sie mit bunten Zopfseilen hochzuheben versucht. Die Idee dazu kam ihr bei mehreren Besuchen in Tehuantepec und Juchitán, wo ein anthropologisch bereits mehrfach untersuchtes Matriarchat vorherrscht und das Motiv des Haarzopfes von der Tracht der Zapotekinnen herrührt. Iris Andraschek und Hubert Lobnig widmen sich in ihrer Videoinstallation den aus der Bibliothek verschwundenen Büchern aus dem Iran, die teils mühsam zusammenangetragen wurden und als verboten gelten, wodurch sich Fragen nach dem Grund ihres Verschwindens aufwerfen lassen.


Was dem archipelischen Denken im kuratorischen Konzept besonders gerecht wird, ist der multiethnische Ansatz, der in Wien lebende KünstlerInnen verschiedenster Herkunft zusammen bringt und eine Diversität an Lebensmodellen fokussiert. In dieser Hinsicht gelten die Arbeiten des aus Ghana stammenden und in Wien studierenden Malers Amaoko Boafo als Neuentdeckung. Sie zeigen nackte Selbstporträts, die durch die Bücherei verteilt sind und in denen sich der Künstler mit Büchern schwarzer AutorInnen auseinander setzt um Körperpolitiken anhand divergierender Blickregime auszuloten. Lisl Ponger vernetzte unterschiedliche Wissensgebiete während eines mehrtätigen Workshops, der als Resultat ein Storyboard für einen Film ergab, der Franz K. und Don Qu. aufeinandertreffen lässt und aktuelle Politiken rund um G8, Syrien und den Ort der Präsentation selbst miteinander verquickt. Elvedin Klačar zeigt in einer Videoinstallation auf der Straße arbeitende Menschen in Havanna, jedoch ist der projizierte Bodenabschnitt von der Decke her mit alten VHS-Bändern eingezäunt, wodurch der Blick auf das eigentliche Geschehen bzw. wie so oft in einem politisch dominanten Diskurs die Kolonialgeschichte verdeckt wird. In der Zusammenschau gelingt es den KuratorInnen unterschiedliche Persönlichkeiten mit treffenden künstlerischen Aussagen in ein Netzwerk an Themen einzubinden, das die dringliche Aktualität eines Miteinanders inhaltlich verhandelt.   

Archipelago - Insel des unvorhersehbaren Denkens
29.05 - 16.06.2018

Hauptbücherei am Gürtel
1070 Wien, Urban-Loritz-Platz 2a
http://www.buechereien.wien.at
Öffnungszeiten: Mo-Fr 11 - 19, Sa 11 - 14 h


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