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Palais de Tokyo und GNS - Global Navigation Systems: Subtile Unterwanderung des Hyper-Kunstevent-Schicks

Die Erwartungshaltung war enorm, als das "Palais de Tokyo" vor eineinhalb Jahren seine Pforten öffnete. Ging es doch um nichts Geringeres als die Reanimation der Kunststadt Paris, um den Anschluss an die Gegenwart und darum, zeitgenössischer Kunstproduktion endlich einen Ort der Sichtbarkeit zu gewähren. Nach der Idee von Theoretiker Nicolas Bourriaud und Kurator Jerome Sans sollte ein völlig neues Ausstellungskonzept und eine noch nicht da gewesene Ära der musealen Präsentation geschaffen werden. Eine Woche Eröffnungsfeierlichkeiten konnten dann doch nicht alle angereisten KritikerInnen von den hochgesteckten Zielen überzeugen. Zu rudimentär und trashig schien die "Nicht-Architektur" des französisich-marokkanischen Teams Lacaton + Vassal (hierzulande bekannt durch ihren MQ Beitrag des Café Una) und der betont gelassene, unprätentiöse Umgang mit der Kunst. Nur wenige begriffen in dieser partiellen Baustellenatmosphäre die subtile Unterwanderung des andernorts üblich gewordenen Hyper-Kunstevent-Schicks. Im Sommer 2003 sieht alles schon ein bisschen anders aus: Die Wände sind weiß, das Restaurant möbliert, der Buchladen bestückt. Die Überraschung: Es wurde nichts an erfrischender Improvisation, an Wandlungsfähigkeit und ephemerer Geste eingebüßt. Trotz aller Entspanntheit verfolgen die Initiatoren präzise ihr Ziel vom Selbstverständnis des Museumsbesuchs "so wie man sich mit Freunden zum Essen trifft oder ins Kino geht". Alles in allem ist das "Palais de Tokyo" die gelungene Verwirklichung eines zeitgemäßen Museumskonzepts. Bis 7. September zeigt das Palais de Tokyo - von mittags bis Mitternacht - u.a. eine Gruppenausstellung mit dem technokratischen Titel "GNS - Global Navigation Systems". Eine Zusammenstellung mit 23 internationalen KünstlerInnen, die aus ihrer Perspektive die Welt as we know it beschreiben. Der Bogen ist weit gespannt: von Malerei von Franz Ackermann über eine angedeutete Favela-Konstruktion von Marjetica Potr bis zu kartographisch aufgearbeiteten Kapitalismus-Daten (wo sind wie viele Milliardäre beheimatet) von Henrik Olesen. Zugegebenermaßen ein buntes Allerlei, das auch unter anderem Titel fungieren könnte, in Summe aber das leistet, was Gruppenausstellungen sollen: Einen kontext-stiftenden roten Faden bieten, ohne gleich eine Bebilderung des Themas zu sein. Lesen Sie dazu auch die Architektur-Kritik von Iris Meder
Mehr Texte von Ana Berlin

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Palais de Tokyo und GNS - Global Navigation Systems
04.08. - 07.09.2003

Palais de Tokyo
75116 Paris, 13 avenue du président Wilson
Tel: +33-1-4723 5401, Fax: +33-1-4720 1531
Email: cotact@palaisdetokyo.com
http://www.palaisdetokyo.com

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