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Contemporary Istanbul 2014: Geld alleine reicht nicht

Paul McMillen, Kurator der Editions-Sektion der Contemporary Istanbul, spricht erstaunlich offen über den Marktplatz: "Die türkische Kunstszene hat sehr schnell aufgeschlossen. Die internationale Konzerne drücken ihre Corporate Citizenship durch Kunst aus. Kunst gehört in der oberen Gesellschaftsschicht mittlerweile so sehr zum guten Ton, dass man behauptet, man wäre Kunstsammler, selbst, wenn man es gar nicht ist." Dabei sein ist also alles in der Türkei, und genau den Eindruck machte die Vernissage der Contemporary Istanbul. Tous Stambul war da - alles was Rang, Namen in der Kunstwelt hat, und dazu viel Geld. Zum Teil wird das auch ausgegeben, allerdings für Kunst, die im internationalen Kontext nur bedingt als solche durchgehen würde. Und wie das so ist in diesen sich entwickelnden Märkten mit einer Schicht schnell zu Wohlstand gekommener Menschen, ist diese vergleichsweise teuer. Daher die Editionen: "Ein Motiv für die Editionen war es, den Markt etwas herunterzuholen, um die Rezipientenbasis zu verbreitern", erzählt McMillen. Die Preisspanne reicht von kostenlos bis zu mehreren Tausend Dollar. Es ist jedoch vor allem die Qualität, die diesen Bereich vom Großteil der auf der Messe präsentierten Produktion unterscheidet. Die meisten ausländischen Galerien sind allerdings nur selten besser. Die inhaltliche Arbeit steht deutlich zurück hinter dem Druck, Geld verdienen zu müssen. Experimente wagt kaum einer der Auswärtigen, und wenn, dann wirken sie wenig geglückt. Die Berliner Galerie Kornfeld hat den Vergleich, sowohl vom letzten Jahr als auch von der Art International vor sechs Wochen. Auf der jungen und internationaler aufgestellten AI seien sowohl die Aussteller als auch die Sammler von höherer Qualität gewesen. Jetzt hofft man auf das Wochenende. Doch das könnte ebenfalls mau ausfallen. Ortskundige Marktkenner sehen ein generelles Problem. Kunst sei von regional aufgestellten Sammelern seit ungefähr 2006 vor allem aus Investitionsgründen gekauft worden. Mittlerweile dämmere allen, dass dieses Kalkül mit einer bestimmten hier beliebten Art plakativer Kunst nicht aufgehe. Jetzt rächt sich, dass der türkische Kunstmarkt zwar schnell gewachsen ist, doch der gesamte Unterbau noch in den Kinderschuhen steckt. Es gibt kein staatliches Museum für zeitgenössische Kunst, es gibt kaum ausgebildete Kuratoren vor Ort, keine Kritiker und damit keinen öffentlichen Diskurs. Wie sehr dieser fehlt, zeigt der enorme Erfolg des privaten Moving Museum, das nach London und Dubai jetzt in Istanbul Station macht. Das mit extrem bescheidenen Mitteln aufgezogene Wandermuseum lädt internationale Künstler zu Residencies ein, um mit lokalen Künstlern Projekte zu verwirklichen, die sich bevorzugt mit dem jewiligen Ort beschäftigen sollen. Zur Vernissage der Ausstellung auf zwei Etagen einer noch nicht ganz fertiggestellten Tiefgarage kamen über 3.000 Menschen. Ali Güreli, Eigentümer und Direktor der Contemporary Istanbul, hat schon einen Plan für eine verbesserte internationale Anbindung: Ähnlich wie in Österreich, soll der Staat türkischen Galerien dabei helfen, sich auf internationalen Messen zu präsentieren. Besonders Teilnehmer der Contemporary Istanbul sollen in den Genuss der entsprechenden Förderungen kommen.
Contemporary Istanbul 2014
13 - 16.11.2014

Contemporary Istanbul
34267 Istanbul,
Tel: +90 212 244 7171 (117), Fax: +90 212 244 7181
Email: info@contemporaryistanbul.com


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