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Toulouse-Lautrec - Sammlung Gerstenberg: Plüsch und Poster

Aha - Toulouse-Lautrec! Nur wenige Künstler des 19. Jahrhunderts können für ihr Werk in Anspruch nehmen, einen ähnlich hohen Wiedererkennungswert zu besitzen wie der Graf aus Albi. Leider hat das aber auch dazu geführt, dass die berühmtesten Bildschöpfungen Henri de Toulouse-Lautrecs im Lauf der Zeit vermutlich in jeder zweiten Wohnung der westlichen Welt irgendwann einmal auf einem Poster, Untersetzer oder Kaffeehäferl zu finden waren. Und so kam, wie es kommen musste: Man sieht sich satt, selbst an den am besten beobachteten Momenten der Pariser Bohème des Fin de Siècle. Um so interessanter wäre es gewesen, anlässlich einer neuerlichen Ausstellung des wichtigsten Teils des Werkes dieses ebenso beliebten wie bedeutenden Künstlers, nämlich der Druckgraphiken, auch eine Neupositionierung des Blicks darauf zu versuchen. Alles nötige Material wäre vorhanden gewesen: Die Ausstellung im Leopold Museum zeigt den größten Teil der um 1900 zusammen getragenen Sammlung von originalgraphischen Arbeiten Toulouse-Lautrecs des Berliner Mathematikers und Direktors der Victoria-Versicherung, Otto Gerstenberg, der umfassendsten Zusammenstellung, die es je gab. Von insgesamt 360 Graphiken befinden sich nur sechs weniger bedeutende nicht in der Sammlung, dafür enthält sie zahlreiche Drucke, die nur in einem einzigen Exemplar existieren. Was der Mangel an Konzept anrichtet, sollte wohl die Ausstellungsarchitektur wettmachen: Einer der drei Säle tut so, als sei er der Plüschatmosphäre der Lokale der Pariser Demi-Monde jener Zeit entsprungen, begnügt sich aber damit eine sehr steife, bürgerliche Vorstellung davon zu verwirklichen. Nicht nur, dass die großartigen, oft sehr zart gezeichneten Charakterstudien von Pariser Halbwelt-Celebrities sich eng neben- und manchmal sogar in mehreren Reihen übereinander gegenseitig konkurrenzieren, ja auslöschen, müssen sie auch noch gegen die aus rotem Plüsch und Wolkenstores wie aus dem Versandhaus-Katalog bestehende Ausstellungsarchitektur antreten. Poster, Kaffeehäferl und Untersetzer lassen grüßen! Man sollte sich bei Leopolds einmal überlegen, ob das eigentlich ein Museum sein soll oder doch eine Filiale der Shopping City Süd.
Mehr Texte von Andrea Winklbauer

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Toulouse-Lautrec - Sammlung Gerstenberg
11.04 - 31.08.2003

Leopold Museum
1070 Wien, Museumsquartier
Tel: +43 1 525 70-0, Fax: +43 1 525 70-1500
Email: leopoldmuseum@leopoldmuseum.org
http://www.leopoldmuseum.org
Öffnungszeiten: Mi-So 10-18 h


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