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Selfismus – immer und überall

Sicherlich – Selfies gabs schon immer. In der Kunst hat das wahrscheinlich in Altamira begonnen. Die unzähligen mehr oder weniger eitlen oder wehleidigen Selbstporträts von Künstlern legen Zeugnis ab bis heute. Oder nehmen wir all die Tagebücher. Wüssten wir sonst, ohne sie, dass Zola von schlimmen Bauchgrimmen und anstrengenden Entleerungsprozeduren gequält wurde? Und dann all die beauftragten Selfies. Nehmen wir als Beispiel nur die Porträtorgie der Madame Pompadour und der Borgia-Sippe. Oder die Zeit von Kodak – stell dich ein bissl weiter nach links Schatz, da ist auch die Kirche im Bild – klick. Sicher, mit den Smartphones erleben wir gerade einen selfistischen Höhepunkt. Ich meine, wie wüssten die Freundinnen, Freunde, Lehrer und Eltern sonst, was ihre Kids gerade mit wem treiben. Oder nehmen wir die sogenannten modernen Politiker. Die twittern sich ihr reduziertes Privatleben aus dem Leib und glauben, dass ihr Ichbineinerwieihrgequatsche wirklich imageverbessernd ist. Gut, ich muss das selfistische Getwittere ja nicht lesen. Aber was mache ich jetzt z.B. mit meiner abonnierten Tageszeitung? Sicher – DiePresse ist an sich eh schwer in Ordnung. Auch das wöchentliche gescheite und witzige Selfie von Annemarie macht Lesefreude. Aber in letzter Zeit glauben einige JournalistInnen es ihr gleich tun zu müssen. Bitte bitte tut das nicht. Ich hab eure gesellschaftspolitischen Artikel und Glossen wirklich gern gelesen. Aber gehört euer seit kurzem jungbräutlicher, ichbinüberfordertväterlicher und und gottbinichglücklichjungmütterlicher Selfismus wirklich in eine selbsttitulierte Qualitätszeitung? Muss jetzt in einer Restaurantkritik wirklich im Vordergrund stehen, mit welcher Freundin aus welcher Stadt das Lokal betreten wurde? Liebe JournalistInnen von DiePresse bitte überlasst das Geselfe eurer Annemarie – die kann das. Und ihr schreibt wieder selfiefrei wie früher. Sonst nervt ihr mich ein bissl. So, das war jetzt zum Abschluss mein heutiger Selfiesatz.

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