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Georg Karl Pfahler - The Tex Series: Von wegen Hard Edge

Kein rechter Winkel nirgends. Die Berliner Galerie Crone, darf oder will zwar nicht beim Gallery Weekend Berlin mitmachen. Wie die meisten hauptstädtischen Kollegen lässt sie es sich jedoch nicht nehmen, das erste Maiwochenende zu einer besonders ambitionierten Ausstellungseröffnung zu nutzen. Georg Karl Pfahler kennt fast jeder. Seine grafischen Arbeiten mit geometrischen Formen, scharfen Kanten und abgerundeten Ecken waren in den 60ern und 70ern Massenware, das Logo der Deutschen Bank beruht auf seiner Idee. Er vertrat Deutschland 1970 auf der Biennale in Venedig (mit Heinz Mack und Günther Uecker) und 1981 auf der Biennale in Sao Paulo. Während Mack und Uecker der weitgehend deutschen Zero-Gruppe zugerechnet werden, wurde Pfahler wegen seiner Verwendung zeichenhafter geometrischer Formen immer im Zusammenhang mit der eigentlich rein US-amerikanischen Hard Edge-Bewegung gesehen. Als in den späten 70er Jahren und erst recht in den 80ern die wilde Geste und die figürliche Malerei mit Wucht zurückkehrten, blieb zwar die Erinnerung an die Zero-Künstler erhalten, doch Pfahler geriet als etwas seltsamer Solitär einer in der Versenkung verschwundenen Kunstrichtung praktisch in Vergessenheit. Die aktuelle Ausstellung zeigt, dass Pfahler sich nicht auf Hard Edge reduzieren lässt und dort vielleicht sogar falsch verortet ist. Denn anders als seinen amerikanischen Kollegen, war ihm die Farbe mindestens so wichtig wie die Form. So klar, so rein, auch so poppig war ihre Verwendung sonst nur in der Pop Art. Auch das führt die Ausstellung vor Augen. Denn die ausschließliche Präsentation von seit Mitte der 60er Jahre entstandenen Bildern aus der „Tex“-Serie zeigen in ihren schwingenden Wellen- und Halbkreisformen, dass Pfahlers Werk eine erstaunlich große Bandbreite umfasst und sein Anliegen deutlich über Hard Edge hinausging. Der vergangene Woche gestorbene Wieland Schmied hat schon früh auf die Bedeutung des Raumes bei Pfahler hingewiesen: "Pfahler denkt primär in Räumen, und erst in zweiter Linie in Farben und Formen. Er vertraut der Farbe, der Form, der Fläche. Aber er denkt in Räumen. Er baut seine Bilder". In einem Manifest aus den 70er Jahren, das sowohl durch seine scharfsichtige Deutung als auch seine poetische Kraft überzeugt, hat Schmied das Wesen der Kunst Pfahlers auf den Punkt gebracht. Es leitet jetzt die Ausstellung als Wandtext ein. Es ist bezeichnend, dass die erste umfassende Präsentation einer Werkphase Pfahlers in einer Galerie stattfindet und nicht in einer Institution. Es wäre Zeit für eine Wiederentdeckung.
Georg Karl Pfahler - The Tex Series
03.05 - 07.06.2014

Galerie Crone (alter Standort)
10969 Berlin, Rudi-Dutschke-Strasse 26
Tel: +49 30 258 99 37 0, Fax: +49 30 258 99 37 1
Email: info@cronegalerie.de
http://www.cronegalerie.de


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