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Kunst-Geschichten: Geschichte als Konstruktion

Die erste umfassende, von Sabine Breitwieser kuratierte Ausstellung für das Museum der Moderne setzt sich mit einer Aufarbeitung von Geschichte auseinander, die subjektive Ansätze künstlerischer Recherche mit historischen Themen korrespondieren lässt. Die sich auf Mönchsberg und Rupertinum erstreckende Ausstellung verquickt Geschichte und Kunstgeschichte gleichermaßen und setzt bei der hauseigenen sowie anderen Sammlungen an, die mit einer Serie von Kupferstichen aus dem Salzburg Museum über die Vertreibung der Salzburger ProtestantInnen im 18. Jahrhundert beginnt. Die lokale Geschichte wird auch in den Fotografien von Kurt Kaindl über die in den 1980er Jahren nach Georgia emigrierten Salzburger ProtestantInnen fortgesetzt und bildet den Anfang einer Kontextualisierung weltpolitischer Fragestellungen. Letztere erstrecken sich über beide Ausstellungsorte in einer medial vielfältigen Matrix an künstlerischen Verhandlungsformen. An die 40 KünstlerInnen reflektieren in mehr als 200 Arbeiten historische Themen, die geopolitische und ortspezifische Ereignisse beleuchten und einen diachronen Querschnitt historischer Tatsachen mit den ihr inhärenten globalen Machtverhältnissen aufzeigen. Während sich Otto Dix auf den ersten Weltkrieg bezieht, verhandeln Anselm Kiefer und Jörg Immendorf die Situation im Nachkriegsdeutschland sowie Alice Creischer und Andreas Siekmann gegenwärtiges neoliberales Wirtschaftsdenken und Modelle der Privatisierung. Martha Rosler demonstriert in ihrer ikonografischen Arbeit „Bringing the War Home“ wie Krieg für private Haushalte massenmedial tauglich gemacht wird, während Sanja Iveković im Video „Personal Cuts“ die (ex-)jugoslawische (Fernseh-)Geschichte ihrer eigenen Identität bruchstückhaft gegenüberstellt. Akram Zaatari setzt sich in Zusammenarbeit mit der Arab Image Foundation mit dem Fotoarchiv von Hashem El Madani auseinander, das eine Indexikalisierung libanesischer Studioporträts aus Saida von den 1950er bis 1970er Jahren vornimmt, bei dem sehr intime Portraits von Menschen, oftmals gleichgeschlechtlicher Orientierung im Vordergrund stehen. Dem gegenüber tritt Wael Shawkys opulentes Video der „Cabaret Cruisades,“ das mittels italienischer Lupi-Marionetten die Kreuzzüge aus der Sicht der AraberInnen nachstellt. Breitwieser gelingt es dadurch, einen facettenreichen Überblick zur Konstruktion von Geschichte aus künstlerischer Perspektive heraus zu zeigen, der divergierende ethnische, geografische, politische und Gender-emanzipative Bereiche aufgreift, die im Gegensatz zur traditionellen Geschichtsschreibung stehen mögen.
Kunst-Geschichten
26.07 - 26.10.2014

Museum der Moderne Salzburg Rupertinum
5010 Salzburg, Wiener Philharmonikergasse 9
Tel: +43 662 84 22 20.451, Fax: +43 662 84 22 20.750
Email: info@museumdermoderne.at
http://www.museumdermoderne.at/
Öffnungszeiten: Di-So 10-18, Mi 10-20h

Museum der Moderne Salzburg Mönchsberg
5020 Salzburg, Mönchsberg 32
Tel: +43 / 662 / 84 22 20-403, Fax: +43 / 662 / 84 22 20-700
Email: info@mdmsalzburg.at
http://www.museumdermoderne.at
Öffnungszeiten: Di-So 10-18, Mi 10-19 h
Öffnungszeiten Shop:
Di-Fr 12-18, Sa-So 10-18 h


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