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Die Meister des kleinen Formats und die billige Jugend

PAD und Sunday in London Sehr französisch geht es zu am Berkeley Square, auf dem PAD Pavillon of Art and Design des französischen Händlers Patrick Perrin ein Zelt aufgeschlagen hat. In ihrer siebten Ausgabe hat die feine Messe, die sich ausdrücklich dem privatem Sammler verschrieben hat, den Abgang einiger Händler des zuletzt - nicht an allen Stellen ganz glücklich - ausgebauten Gemäldebereichs zur Frieze Masters zu verkraften. Die verbliebenen und neuen Leinwandspezialisten zielen recht genau auf die angestrebte Käuferschaft und haben großformatiges fast vollständig zu Hause gelassen. Größtes Werk bei Neuzugang von Vertes aus Zürich ist ein prominent platziertes mittelformatiges Gemälde von Max Ernst (über dessen Provenienz der Händler allerdings keine ernsthaften Angaben machen möchte). Mimmo Rotella findet man mit schönen Arbeiten aus den 60ern bei Patscal Lansberg aus Paris und Tega aus Mailand. Richard Nagy aus London hat vor allem Kleinformatiges aus Jugendstil und Expressionismus. Warhol bieten mehrere Aussteller an. Damit ist ungefähr die Bandbreite des zweidimensionalen Angebots beschrieben: wohnzimmerkompatibel, kanonisch und hochpreisig. Das Alleinstellungsmerkmal von PAD ist Design, das von kunstnahen Objekten zeitgenössischer Entwerfer bis zur gediegenen Art Deco-Kommode reicht. Dazwischen findet sich bisweilen exklusive Inneneinrichtung aktueller Produktion, die offensichlich ohne Theoriebelastung auskommt. Ein Großteil der neuen Aussteller stammt aus Frankreich. Nicht wenige von ihnen haben die Raumbeduftung als Instrument zur Bildung ihrer Corporate Identity entdeckt. Das ganze Setting mag für eine Kunstmesse etwas befremdlich wirken. Doch das Konzept scheint aufzugehen. Im Herzen von Londons Hedge Fonds-Bezirk wird die französische Enklave auf Zeit gut angenommen. Jenseits der Moden und der Hektik der Kunstwelt wird die Möglichkeit zum mondänen Shopping unter seinesgleichen gerne angenommen, wie die Aussteller unisono beteuern. Direktorin Florence Bourgeois gibt bereitwillig Auskunft über ihre Strategie im Angesicht des Wettbewerbs: "Einige Gemäldehändler haben es vorgezogen, zu den anderen Galerien zur Frieze Masters zu wechseln, weil sie glauben, dort eine höhere Legitimation zu haben. Andere fühlen sich hier sehr wohl, besonders wegen der Lage. Wir wollen auch nicht eine ausdrückliche Gemälde-Messe sein. Es geht mehr um das eklektische Sammeln, besonders der Periode des 20. Jahrhunderts, und das auf hohem Niveau. Dazu gehört natürlich auch Design, aber ebenso ältere Epochen." In einer Zeit, in der die großen Messebrands expandieren, gibt sie sich bescheiden in Sachen Expansion, aber selbstbewusst, was den Markenkern angeht: "Wir wollen uns auch nicht vergrößern, das funktioniert alles recht gut, auch mit dem Mix der Händler. Wir streben nicht nur in Los Angeles (neu ab April 2014) nach einer Positionierung, wie sie keine andere Messe hat - hochklassiges Design und Spitzenkunst. Wir glauben, dass es dafür einen Bedarf gibt. Wir wollen keine 10 Messen im Jahr machen. Wir würden allerdings gerne nach New York zurückkehren." Gegenmodell Sunday Art Fair Mit der Sunday Art Fair, die von jungen Galeristen geründet wurde, hat sich im Keller eines Universitätsgebäudes gegenüber von Madame Tussaud's ein Gegenmodell zur herkömmlichen Kunstmesse etabliert. Die ursprünglich vom Sammlerehepaar Zabludowicz geförderte Veranstaltung ist mit seiner vierten Ausgabe schon so fest etabliert, dass selbst Versuche der Frieze, die Halle als "Lagerraum" zu buchen, nicht fruchteten. Mittlerweile gibt es wohl kaum noch eine jüngere Galerie, die hier nicht vertreten sein möchte. Das dürfte nicht nur am Teilnahmebeitrag liegen, der sogar von 1.900 auf 1.700 Pfund gesenkt wurde. Obwohl jetzt der press officer gegen einen fair manager ausgetauscht wurde, wissen Sammler wie Kuratoren um diese Veranstaltung und kommen ohnehin. Auf den Buchladen wurde ebenfalls verzichtet, sodass jetzt immerhin 22 statt 20 Aussteller Platz finden. Es ließe sich wahrscheinlich leicht die dreifache Zahl Teilnahmewillger finden, ohne dass die Qualität litte. In einer Zeit, in der sich vielen Galerien die Frage nicht nur nach dem wirtschaftlichen sondern ebenso nach dem inhaltlichen Sinn des eingefahrenen Messezirkus stellen, kommt einer alternativen Veranstaltung wie der Sunday größere Bedeutung zu. Robert Meijer von der Berliner Galerie Lüttgenmeijer, der turnusmäßig zusamen mit dem einheimischen Rob Tufnell für zwei Jahre die Organisation übernommen hat, ist sich der damit verbundenen Verantwortung bewusst. Natürlich sei es schwierig, einfach weiter nach dem Kumpelprinzip zu verfahren. Er sieht auch ein, dass es Abgewiesenen eben nicht möglich ist, einfach eine eigene Veranstaltung aufzuziehen. Andererseits kann es auch nicht sein, dass eine solche selbstorganisierte Kleinveranstaltung die Probleme des Kunstmarkts löst. Das müssten schon die Großen unternehmen. Deren Interesse (oder Kreativität) scheint jedoch eher begrenzt. -- PAD London Art + Design Berkeley Square W1 www.pad-fairs.com Sunday Art Fair Ambika P3, 35 Marylebone Road, London NW1 5LS sunday-fair.com

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