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ARCO 2013: Krise in der Wirtschaft, nicht in der Kunst

Die Madrider Messe für zeitgenössische Kunst wehrt sich – wie es scheint – wieder einmal erfolgreich gegen alle Unkenrufe. Auch dieses Mal ist es Messeleiter Carlos Urroz gelungen, zur den Sammlern, VIPs und Journalisten vorbehaltenen Eröffnung für gute Stimmung zu sorgen. Dem Kulturbetrieb geht es schlecht, daran herrscht kein Zweifel, aber die Arco hat noch immer die Kraft, Leute zu animieren und den Markt wenigstens für einige Tage anzukurbeln. 200 Galerien, 66 Prozent aus dem Ausland, der Rest aus Spanien, zeigen von klassischer Moderne bis zu kaum getrockneten Leinwänden Malerei, Fotografie und Skulpturen. Es sind die internationalen Namen gekommen, auch wenn manch einer eine kleinere Koje genommen und eher Werke im mittleren Preissegment mitgebracht hat. Besonders angetan von der spanischen Kunstbegeisterung sind die ausländischen Galerien. Für die Spanier macht sich in diesem Jahr die Erhöhung der Mehrwertsteuer auf 21 Prozent negativ bemerkbar. Nicht nur die Madrider Galerie Juana de Aizpuru plädiert für einen einheitlichen niedrigen Mehrwertsteuersatz für Kultur in der Europäischen Union. Elena Ochoa von Ivorypress Madrid, die erst zum zweiten Mal teilnimmt, aber mit Künstlern wie Ai Weiwei, Francis Bacon oder den kubanischen Sprengmeistern Los Carpinteros ein Schwergewicht ist, rief zu Optimismus auf und freute sich, wie viele Kollegen, über die zahlreichen Sammler und internationalen Museumsleute. So waren Reservierungen und Ankäufe in den ersten Stunden keine Seltenheit. Grimmig schauen – und damit sind sie weitgehend allein auf weiter Flur – die Cowboyporträts von Julian Rosefeldt zu seinem Film „American Night“ (2009). Barbara Gross aus München bietet die Lightjetprints einzeln oder alle 9 zusammen für 26 400 Euro an (ed. 1/6). Sie hat Zeichnungen von Kiki Smith verkauft und Alicica Framis im Programm. Ein weiteres Foto zum Film hat Helga de Alvear abgegeben: Ein Endura Print zu Isaac Juliens „Ten Thousand Waves“ von 2010 ging für 42 000 Euro an einen spanischen Sammler. Bei Georg Kargl aus Wien ist eine Collage von Gabi Trinkhaus sogleich an einen spanischen Sammler verkauft, „Truth, I think“ für 15 000 Euro. Die Galerie freut sich, auf der Messe zu sein und genießt den herzlichen Austausch. Rosemarie Schwarzwälder hat Katharina Grosse, Karin Sander und Jessica Stockholder mitgebracht. Bei Hilger Modern stehen wie Kojenwächter zwei Figuren des 1972 geborenen chinesischen Künstlers Chen Shuo. Der Krieger und der Budha sind aus einzeln gebrannten Keramikplättchen mit Draht gefertigt und kosten 27 500 Euro pro Kopf. Krinzinger hat wieder einen Jonathan Meese als Blickfang gehängt. Das Großformat aus dem Vorjahr gibt es für 46.500 Euro. Die Galerien Christine König und Charim teilen sich einen Stand und haben diesen für Fotografie von Valie Export reserviert. Eine Entdeckung ist die 84-jährige Ana Sacerdote, die bei Jorge Mara aus Buenos Aires sogleich rote Punkte erzielte. Die lyrischen Farbkompositionen aus den 60er Jahren kosten zwischen 6000 und 39 000 Euro. Ein brasilianischer Sammler hat eine große abstrakte Mischtechnik des 1954 geborenen Eduardo Stupía erworben (40 000 Euro). Gast sind zehn türkische Galerien aus Istanbul. Für stolze 25 000 Euro ist in der Galerie Pilot die humorvolle Fotografie „Miss Understood“ von Halil Altindere bereits dreimal verkauft ist (2010, Auflage 5). Zu den teuersten Bildern gehören sicher zwei eher kleine Werke großer Maler. Von Picasso bietet die Madrider Galerie Leandro Navarro ein winziges kubistisches Bild von 1919 an. „Compotier, bouteille, guitare devant une fenetre ouverte“ kostet 1,68 Millionen Euro. Gleich gegenüber zeigt Edward Tyler Nahem Fine Art aus New York für vier Millionen Euro Picassos „Le peintre avec son modèle“ und eine kleines „Abstraktes Bild 817-2“ von Gerhart Richter, das 1,35 Millionen Dollar bringen soll. In der Sektion Opening mit Galerien, die noch keine sieben Jahre im Geschäft sind, stellt Frutta aus Rom Rollschuhe mit Spazierstöcken aus, die man als Messebesucher gerne anhätte. Der 29-jährige Gabriele de Santis hat die Bambusstöcke in einem Abrisshaus gefunden und dem inzwischen längst verstorbenen Ehepaar, dem sie vermutlich gehörten, per Turnschuh einen Weg in die Zukunft geöffnet. Das Unikat von 2013 kostet 2000 Euro. Bei Klemm’s aus Berlin, die zum zweiten Mal dabei sind, hängt sehr aktuell der Papst an der Kojenwand. Viktoria Binschtoks Fotoarbeit zeigt Benedikt XVI. seitlich angeschnitten, im Mittelpunkt steht der Bodygard. Die Peripherie rückt ins Zentrum. Die Arbeit aus der Serie „Suspicious Minds“ von 2009 kostet 3800 Euro (Auflage 3). Zum zweiten Mal haben die Galerien mit „Solo Objects“ die Möglichkeit, auf weitflächigen Plätzen großformatige Skulpturen oder Installationen auszustellen. Horrach Moya aus Palma de Mallorca hat von Susy Gómez „Lejos de expresiones. Completamente automáticas“ ein beunruhigendes Ensemble geschmolzener Fotokopiergeräte in die Halle gestellt. Jeder der 9 Apparate wird von 2 Sperrmüll-Stühlen in die Mitte genommen, als möchte man das Desaster betrachten und die kaputte Maschine einem Verhör unterziehen. Das Unikat von 2012 kostet 155 000 Euro. Am Stand steht eins der Aluminiumkleider von Susy Gómez. „Me quedo a tu lado“ ist für 32 000 Euro noch zu haben. Neonschriftzüge leuchten mehrfach auf. Während bei Thomas Schulte aus Berlin Alfredo Jaars „Kultur = Kapital“ sogleich an einen belgischen Sammler ging (Auflage 7, 15 000 Euro, 2012), war bei Enrico Asturi aus Bologna der Ausruf des österreichischen, in New York lebenden Künstlers Rainer Ganahl in Dreierauflage noch zu haben. Vermutlich liegt es am Wortlaut: „porca miseria“ steht da (2013, 9000 Euro). Der Start war gelungen. Neben der Arco haben auch die drei parallelen Veranstaltungen, ArtMadrid, JustMadrid und erstmals Jäälphoto viele Besucher und Käufer locken können. Aber wenn die internationalen Sammler erst abgeflogen und die spanischen Museen und Stiftungen ihren ohnehin stark gekürzten Etat ausgegeben haben, dann dürfte die Stimmung wieder sinken. Ein baldiges Ende der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise zeichnet sich in Spanien nicht ab. Noch bis zum 24. Februar bieten die an der Arco teilnehmenden Galerien Werke ihrer Künstler mit Preisen bis zu 5000 Euro online an. Auch dies ist ein Versuch, künftige Sammler zu binden: arcomadrid.paddle8.com
Mehr Texte von Clementine Kügler

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ARCO 2013
13 - 17.02.2013

ARCO
28042 Madrid, Parque de Juan Carlos 1
http://www.arco.ifema.es


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