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Vom Strand zur Lagerhalle und zurück

Die Art Basel Miami Beach und der Weg zur Nebenmesse Da hat er ihnen gleich zu Beginn wieder kräftig eingeschenkt. Norman Braman aus Miami, des Sponsors BMW wichtigster Verkäufer, ohne den es die Art Basel Miami Beach wahrscheinlich gar nicht geben würde, packte auf der Eröffnungskonferenz erneut stolz beeindruckende Zahlen aus. Die zu hören den Schweizer Veranstaltern kein goßes Vergnügen bereitet haben dürfte. 1385 Galerien stellten demnach aktuell auf 25 Messen in den beiden Nachbarstädten aus. Das klang fast so, als wäre die Art Basel Miami Beach nur noch eine unter vielen Veranstaltungen während der Art Basel Week, wie die Woche um Nikolaus unter den Eingeborenen genannt wird. Und tatsächlich findet die große Sause ja nicht nur räumlich zum großen Teil außerhalb der Messe statt. Längst haben so viele unterschiedlichste Unternehmen und Veranstaltungen an die Kunstmesse angedockt, dass schon weit vor der Vernissage der Hauptmesse am Mittwoch die Termine eng werden. Schon am Montag Mittag lud dieses Jahr die Schifffahrtslinie Celebrity Cruises zur Besichtigung ihrer 60 Millionen Dollar teuren Corporate Collection an Bord der Celebrity Reflection ein. Bei Schaumwein und Häppchen gab es dann eine schicke Party und wohl auch Kunst zu sehen - zumindest hingen da Bilder an der Wand – in der Nebensache ging es aber dann wohl nicht zuletzt darum, Kabinen auf dem Schiff als Appartments zu verkaufen. So oder anders nehmen zahlreiche Unternehmen die Kunstmesse nur noch peripher zum Anlass, um die Gunst der zahlreichen potenten Besucher zu buhlen. Wer an einem beliebigen Abend die Strandpromenade entlangspaziert, kann in den zum Teil parkähnlichen Poolanlagen der Art Deco-Hotelpaläste erleben, wie zum Beispiel Swarovsky sich und seine Glitzersteine feiert oder die UBS sich tatsächlich nicht zu schade ist, ihr 150-jähriges Bestehen zu begießen. Keine Gelegenheit ist zu hanebüchen, um sie nicht noch mit einem Glas alkoholhaltigen Zuckerwassers zu begießen. Selbst der seriöse Flügelhersteller Steinway lässt sich die Chance zur Blamage nicht entgehen: Da werden zugunsten einer Musikschule im Kongo, deren sichtlich irritierter Initiator eigens angereist ist, von lokalen (?) Künstlern (?) dekorierte Pianos präsentiert, um tags darauf in den öffentlichen Raum entlassen zu werden und signierte Bälle sowie Reservierungen in In-Restaurants versteigert. Im Anschluss Live-Musik und Buffett. Das Publikum bei diesen Veranstaltungen ist dabei meist rein lokal und erweckt zum Teil den Eindruck, als rekrutiere es sich aus dem Nachwuchs der örtlichen Gebrauchtyacht- und Immobilienhändler. Der Trubel um die Art Basel Miami Beach ist ohne eigenes Zutun längst über sie hinausgewachsen und fest in der örtlichen Szene verwurzelt. Und das dürfte bisher auch die Rettung der ABMB gewesen sein. Gäbe es den ganzen Zirkus drumherum nicht, wäre die Messe möglicherweise irgendwann der Krise zum Opfer gefallen. Denn seit der Premiere 2002 hat sich die Kunstwelt gewaltig verändert und das einzige Alleinstellungsmerkmal der Art Basel Miami Beach ist der schrille Zirkus drumherum. Das birgt allerdings auch gewisse Gefahren. Der größte Auflauf findet nämlich mittlerweile im Wynwwod District und im Warehosue District in Miami statt. In der Gegend zwischen Gewerbe-Slum und Design District hat sich eine riesige Szene aus Kleinstmessen und Pop Up-Galerien etabliert, für die die Art Miami als Ankerpunkt fungiert. Die älteste Kunstmesse Miamis, die Art Miami, ist mittleweile auf vier große Zelte angewachsen, in denen das gesamte Spektrum künstlerischer Produktion von musealer Nachkriegskunst über schreibunte Einwegdeko bis zu zeitgenössischem Glas einem vorwiegend einheimischen Publikum angeboten wird, das es oftmals nicht einmal bis zur eigentlichen Hauptmesse in Miami Beach schafft. Der neueste Coup des Direktors und Miteigentümers Nick Korniloff ist der Kauf der kleinen und eigentlich nicht einmal mittelguten Hotelmesse Aqua in Miami Beach. Damit hat der einstige Globalierungsverlierer Art Miami ein Bein am Strand und kann die Besucherströme in seinem Sinne lenken. Wenn die Messe Schweiz sich nicht gehörig anstrengt, könnte so irgendwann der Main Event der Art Basel Week woanders als bei der Namensgeberin stattfinden. Dass sie etwas tun müssen, haben die Schweizer jedoch gemerkt, und sie beginnen auf fast schon revolutionäre Weise gegenzusteuern. Da immer mehr junge und hippe Galerien aus den USA lieber an der NADA Art Fair teilnehmen, drohte der ABMB eine schleichende Vergreisung. Jetzt hat sie kurzerhand gleich neun Teilnehmer aus dem Deauville Hotel in die eigene Halle geholt. Dabei galt bisher die Baseler Liste eisern als einziges mögliches Sprungbrett zur Art Basel. In Hongkong dürften die Schweizer mittlerweile sogar froh sein, dass es dort im Mai einen Satelliten geben wird, der ihnen die zahlreichen chinesischen Galerien abnimmt, die sie selbst nicht mehr haben will. Nur in Basel herrscht noch die Bleierne Zeit. Den Muskelspielen der Muttermesse hatten die meisten Satelliten auf Dauer nichts entgegenzusetzen, so dass deren Zahl auf mittlerweile dreieinhalb – abgesehen von der Liste – geschrumpft ist. Nicht, dass Basel je mit einer Strandparty locken könnte. Doch ein bisschen mehr Lockerheit und Diversität würde vielleicht auch ganz gut ins Alpenvorland passen.

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