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Iris Nemecek - Jolly Roger: Mittelmeer und Matisse statt Karibik und Piraten

Der erste Eindruck – und der täuscht hier nicht – ist, dass es sich bei den Arbeiten um sehr bunte und auch heitere Bilder mit grossem Dekorationswert handelt. Dass hier eine junge Künstlerin trotz aller Gefahr in den Kitsch abzurutschen, einfach ihren Weg zu gehen scheint und damit auch erfolgreich ist, gehört mit zu dem, was diese erfreuliche Schau ausmacht. Pflanzenfragmente und ausgeschnitten wirkende Schatten bevölkern dicht auf dicht ihre in verschiedensten Pastelltönen gehaltenen Acryllbilder. Vögel, Affen und wilde Tiere sind zwar nicht zu sehen, könnten aber die karibisch anmutenden Landschaften bewohnen. Zu solch einer fantastischen Kulisse würden auch Piraten hervorragend passen, die aber ebenfalls nicht zu sehen sind. Insofern ist auch der Name der Ausstellung angemessen, der auf die historische Totenkopffahne anspielt. Dass solche Kunst nicht ohne eine gewisse wohlmeinende Naivität zu verstehen ist, tut dem Vergnügen keinen Abbruch. Man denkt sicher nicht zu unrecht an Henri Rousseau und seine berühmten Dschungelbilder oder aber auch an den frühen Matisse der Jahre um 1910. Eine nicht unwesentliche Parallele zu Matisse ist auch, dass die Bildauffassung und Kompositionsgabe noch um einiges stärker in der großformatigen Collage aus Buntpapier zur Geltung kommt. Die sehr eindrucksvolle Arbeit findet sich in der aktuellen Schau direkt mit Reissnägeln an die Wand geheftet. Die klaren Schnittkanten und die unvermischten Farben des Buntpapiers unterstützen die sehr heiter aufgeräumte Stimmung dieser gelungenen Komposition. Schade, dass nicht mehr von diesen wirklich überzeugenden Collagen zu sehen sind. Dass es sich bei den Werken um gegenständliche Malerei oder Collagen handelt fällt erst bei näherer Betrachtung auf und es sind auch sicher nicht die erzählerischen Qualitäten, die dieses Oevre ausmachen. Ganz im Gegenteil: mehr Mut zur Abstraktion würde die Wirkung der Arbeiten sogar noch verstärken.
Iris Nemecek - Jolly Roger
13.04 - 16.05.2012

Startgalerie im MUSA
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Email: musa@musa.at
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