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Antonio López: Spanischer Geheimtipp

Ist Antonio López ein Geheimtipp? Den Freunden der Mancha, der Quitten und der Stadt Madrid ist der Maler seit langem bekannt. Kolossale Stadtansichten in dunstigem Licht, die menschenleere Gran Vía in der Morgenfrühe, die staubige Hauptstraße des Dorfes Tomelloso in der Provinz Ciudad Real. Die Ansicht „Madrid desde Torres Blancas“ (1974-1982) war in diesem Jahr Blickfang der Galería Marlborough auf der Kunstmesse Arco. Auktionsrekorde katapultieren den Meister noch vor das ewige Jungtalent Miquel Barceló und Altmeister Antoni Tàpies auf Platz 1 der spanischen Zeitgenossen. Dass es trotz dieser Erfolge außerhalb Spaniens nicht allzu viele Experten gibt, die den 1936 geborenen Antonio López kennen, mag an seinen sehr spanischen Sujets liegen. Obwohl einige Leihgaben durchaus von deutschen Museen stammen. Dem Thyssen-Bornemisza-Museum sei es gedankt, dass es dem Maler und Bildhauer nun seine Räume öffnet. In Boston war 2008 eine Schau zu sehen, in Spanien sind seit der letzten großen Ausstellung im Reina Sofía-Museum immerhin 18 Jahre vergangen. Produktive Jahre mit einer Vielzahl von Arbeiten. Zeichnungen, Bilder, Skulpturen in Bronze – 140 Arbeiten. Überdimensionale Büsten und Köpfe zieren vereinzelt die Madrider Stadt und Vorstadt, im Museum sind die Modelle, teils zu Hauf füllen sie ganze Vitrinen. Urmodell sind die beiden Töchter des Künstlers, die Jüngere, María, hat zusammen mit Guillermo Solana, dem künstlerischen Leiter des Museums, die Ausstellung kuratiert. Als kindliche Gipsfigur streckt sie die Arme mit einem Ausdruck aus Erstaunen und Bewunderung: „María, stehend, 1963“. Antonio López ist ein malerischer Realist, dem es nicht um fotografische Exaktheit geht, sondern um die reale Stimmung. Um diese einzufangen, den schräg einfallenden Strahl der Morgensonne im August, malt er Jahrelang an einem Werk. Immer im August, immer in der Morgenfrühe. Das führt zu Bildern, die beim Betrachter eine weitere Dimension eröffnen: man hört förmlich das aufgeregte Kreischen schwirrender Mauersegler, die sich in der verschlafenen Morgenfrische frei bewegen, bevor sich die bleierne Hitze über die Metropole legt. Bei anderen Momentaufnahmen, etwa verfallenen Bädern oder Räumen, Abrisssujets mit alten Kacheln – Dokumente eines verschwindenden Madrids – drängt sich der Geruch nach Verwahrlosung und Staub auf. Er malt vor Ort, steht selbst im Licht, nimmt neugierige Passanten in Kauf. Sein Onkel, der Maler Antonio López Torres, förderte früh sein Talent. In Madrid gründete er die Escuela de Madrid, zusammen mit Lucio Muñóz, Amalia Avia und Enrique Gran. Verheiratet ist er mit der Malerin María Moreno. Als Bildhauer formt er Menschen, als Maler nicht. Von Ausnahmen abgesehen – bei Atocha 1964 liegt im Vordergrund ein nacktes Paar in inniger Umarmung, seine Eltern, die große Zeichnung einer liegenden Frau am Strand – sind die Steinwüsten unbevölkert, menschenleer, ja unmenschlich mit schmutzigem Himmel, Qualm und der Weite der Mancha, die die Agglomeration aus Beton und Glas nur noch unnatürlicher macht. Unter der Hitze verfremdete Realität. Gegen die Anonymität der Großstadt, die Intimität der ländlichen Provinz: der Innenhof, die Bäume, die Quitten oder auch Rosen im Glas. Die Ausstellung geht nicht chronologisch oder thematisch vor, sondern vermittelt in ihrer Mischung der Epochen und Sujets, Zeichnungen, Skulpturen, Bilder einen produktiven Werkstattcharakter. Gezeigt werden auch zwei Videofilme mit Stellungnahmen von Zeitgenossen und mit seinen eigenen, schüchtern und bescheiden wirkenden Erklärungen, die vor allem eins vermitteln: was dieser Mann will, ist arbeiten, arbeiten, arbeiten.
Mehr Texte von Clementine Kügler

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Antonio López
28.06. - 25.09.2011

Museo Thyssen-Bornemisza
28014 Madrid, Palacio de Villahermosa Paseo del Prado, 8.
Tel: +34 (0)91 369 01 51, Fax: +34 (0)91 420 27 80
Email: mtb@museothyssen.org
http://www.museothyssen.org/


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