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Art Brussels: Die ewige Verjüngung

Die Art Brussels erfindet sich stets neu Nichts ist so beständig wie der Wandel. Selten ist er jedoch so deutlich spürbar wie auf der aktuellen Ausgabe der Art Brussels. Laut Katalog sind von den 170 teilnehmenden Galerien genau die Hälfte neue Aussteller. Das ist im Detail nicht ohne eine gewisse Ironie. War die Messe in den letzten Jahren vom Antagonismus Brüssel/Köln geprägt, kollidiert sie dieses Jahr mit dem Gallery Weekend Berlin. „Wir hatten keine Wahl“, erklärt Direktorin Karen Renders. Die Messehallen seien zu keinem anderen Zeitraum verfügbar gewesen – immerhin startet sie jetzt einen Tag früher als bisher und vermeidet so den Frontalzusammenstoß. Trotzdem nehmen weniger Berliner Galerien teil. Bei der nächsten Ausgabe, die eine Woche früher startet, sollen die Berliner dann wieder zahlreicher antreten. Das heißt jedoch nicht, dass aktuell deswegen die Kölner oder Düsseldorfer bessere Karten hätten. Im Gegenteil: Einige Rheinländer, die in den letzten Jahren bei der Terminüberschneidung beider Messen den Spagat geübt und treu beide Standorte bespielt hatten, mussten jetzt außen vor bleiben. Wie auch andere langjährige Teilnehmer nicht mehr zugelassen wurden. „Wir hatten so viele neue gute Bewerbungen, die wir nicht ablehnen konnten“, meint Renders. Rund 30 Prozent der Aussteller sind echte Neuzugänge. Dazu zählen die 14 Vertreter des „First Call“, aber auch rund 20 „Key Galleries“, wie Renders sie nennt, „Galerien, die jede Messe haben will“ und einige Teilnehmer aus den Emerging Markets. Das Ergebnis ist in Halle 3 mit den Abteilungen Young Talent und First Call erstaunlich homogen und frisch und vor allem ziemlich jung. Dafür fehlen in Halle 1 mit den etablierteren Positionen einige Schwergewichte, die zum Teil Köln den Vorzug gegeben haben. Millionenwerke Fehlanzeige. Bei der Auswahl an den Ständen fällt ein gewisser Konservatismus auf. Es herrscht überwiegend Flachware vor, Medien werden nur spärlich eingesetzt, und an den meisten Ständen findet sich gerade mal die eine oder andere Alibi-Skulptur in bescheidenen Dimensionen. Bei Ben Brown gibt es sogar gehobenes Kunsthandwerk: In einer stets umlagerten Vitrine wird Schmuck präsentiert. Der stammt allerdings von Anish Kapoor, was immerhin für eine gewisse Konsequenz des Künstlers spricht. Bei Preisen zwischen 4.000 und 20.000 Pfund gehen die Preziosen wie warme Semmeln. Aber auch andernorts kann man sich über den Zuspruch des ansonsten wie üblich kenntnisreichen Publikums nicht beklagen. Gabriel Rolt aus Amsterdam erklärt zufrieden: „Wir haben in den ersten zehn Minuten unsere Kosten gedeckt gehabt.“ Verkauft hat er dabei an neue Kunden aus der Schweiz und Deutschland – und mit Dawn Mellors traktierten Schauspielerinnenportraits gleich ziemlich harte Kost. Auch Klemm's aus Berlin – die gleichzeitig am Berliner Gallery Weekend teilnehmen – sind voll des Lobes für das „ausgewogene Dreiländereck“ aus belgischen, französischen und deutschen Sammlern. Einen ganz anderen Ansatz hingegen verfolgt die Galerie Meyer Kainer aus Wien, die das erste Mal an der Messe teilnimmt: „Verkaufen ist schon gut. Aber das ist nur ein kleiner Teil“, findet Renate Kainer. Ihr kommt es vor allem auf den Kontakt zu Kuratoren an, und auch in diesem Punkt ist sie auf ihre Kosten gekommen. Ansonsten übt man sich in Geduld, wie Martin Asbaek aus Kopenhagen, der am Vernissagenachmittag eine Arbeit abgegeben hat und dem das noch nicht reicht. Dann fällt ihm allerdings ein, dass er im Vorjahr am ersten Tag überhaupt nichts verkauft hatte und hinterher trotzdem sehr zufrieden war. In Brüssel neigte man bekanntlich noch nie zum Spontankauf. Eher wird mit einer treuen Beständigkeit gesammelt. So wachsen die Sammlungen mit den Künstlerkarrieren, was nicht zuletzt den Reiz der vielen belgischen Privatsammlungen ausmacht. Und den des Marktplatzes Art Brussels, auch in seinem ständigen Wandel.
Art Brussels
28.04 - 02.05.2011

Brussels Expo
1020 Brüssel, Place de Belgique, 1, Halls 1 & 3
Tel: 0032-2-402-36-66
http://www.artbrussels.com


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