Clementine Kügler,
ARCO Madrid 2011: Gute Stimmung und neue Hoffnungen
Zum 30. Mal feiert die Stadt Madrid ihre Messe internationaler zeitgenössischer Kunst und das war nach Zerwürfnissen zwischen Galeristen und Messegesellschaft zunächst gar nicht so klar. Schließlich rettete der neue Direktor, Carlos Urroz, das Projekt und präsentiert eine verjüngte, etwas kleinere Arco, die den Krisenzeiten begegnen will. 197 Galerien zeigen im Hauptprogramm mit großen und kleinen Kojen, in den Sektionen Opening für junge Galerien und Solo Projects für Lateinamerika Bilder, Skulpturen, Fotografie – ein wenig klassische Moderne, der Schwerpunkt liegt auf den Zeitgenossen. Gast ist diesmal Russland, das mit acht Galerien in das Hauptprogramm integriert ist. Laufen muss man also immer noch viel – das Angebot ist groß und spannend.
Vom spanischen Maler Antonio López stammt das vermutlich teuerste Bild der Messe: natürlich bei Marlborough. Die 157 mal 245 Zentimeter große Ansicht Madrids vom Gebäude „Torres Blancas“ aus, (1976-82) hat die Galerie 2008 in London bei Christie’s für umgerechnet 1,75 Millionen Euro erworben und bietet es nun dem Vernehmen nach für mehr als das Doppelte an. Bei Cayón aus Madrid hängt ein kinetisches Relief des Venezolaners Jesús Soto aus dem Jahr 1997 für 550 000 Euro. Ein ockerfarbenes Tryptichon von Altmeister Tàpies wäre für 410 000 Euro zu haben. Und bei Carles Taché aus Barcelona liegt ein Felsblock mit russischen Graffiti. Eduardo Arroyo zeichnet für dieses Schwergewicht mit dem Titel „Russische Venus“ verantwortlich. (120 000 Euro). Ganz frisch und leicht wirken dagegen die kleinen intimen Mischtechniken der 30-jährigen Julia Spinola. Defragmentierte Kompositionen von 2011 kosten 1000 Euro bei der noch ganz jungen Galerie Tatjana Pieters aus Gent im Rahmen der Sektion Opening.
Nach Spanien, Deutschland und Portugal sind die Österreicher die viertstärkste Gruppe. Die Galerien Gabriele Senn, Charim Ungar und Christine König (Wien/Berlin) haben sich zu einem großen Gemeinschaftsstand zusammengetan, der durch seine Gestaltung aus dem Rahmen fällt. Ein Teil der Seitenwand besteht aus dem monumentalen Schriftzug von Marko Lulić „Invisible Monument“ (18 000 Euro), die Rückwand und ein Teil der Seitenwand ist innen und außen mit fotografischen Abbildungen des New Yorker Studios von Elfie Semotan verkleidet. Darauf zeigen die drei Galerien ihre zahlreichen Künstler, unter anderen mit Arbeiten von Juergen Teller, Hans Weigand und ganz bunt Stanley Whitney von 2007 für 34 000 Euro (Foto). Innen lockt ein Lichtkasten von Stephan Huber aus dem Vorjahr (Auflage 3) für 16 000 Euro: Marionetten schauen sich die Arco an.
Mario Mauroner aus Wien hat viele kleine Männer platziert. Wie ein Symbol für die schwere Krise in Spanien nach dem Zusammenbruch der Bauwirtschaft trägt eine Figur schwer an ihrem Haus: Baltazar Torres’ bemalte Bronze „Magic Man“ von 2010/11 ist für 16 500 Euro ein Unikat. Gleich in den ersten Stunden ist bei Hilger Modern aus Wien die Komposition verschieden großer Lichtkästen von Angel Marcos verkauft: „La mirada blanca #4“, ebenfalls von 2011. Ein italienischer Sammler sicherte sich das Werk für 34 000 Euro. Gute Stimmung bescheinigt nicht nur diese Galerie.
Auch Grimes aus Santa Mónica, die zum 17. Mal und Eigen+Art, die erstmals auf der Arco sind, äußern sich optimistisch. Bei Eigen+Art war nicht nur Neo Rauchs „Nachttankstelle“ von 2010 gleich verkauft (480 000 Euro). Auch Helga de Alvear aus Madrid hatte nach wenigen Stunden einige rote Punkte. Ein Großformat von Kartharina Grosse etwa von 2010 für 35 000 Euro war gleich weg. Erfolg hatte auch die Cais Gallery aus Seul und Hongkong. Der gänzlich aus Jeansstoff gefertigte Blick über die Dächer mit Wäscherei von Choi So Young, ebenfalls von 2010, ging für 34 500 Euro an einen Madrider Sammler.
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ARCO Madrid 2011
16 - 20.02.2011
IFEMA - Feria de Madrid
28042 Madrid, Feria de Madrid
http://www.ifema.es
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