Werbung
,

Einen schönen Nachwahltag wünsch ich allen meinen Wiener Glossenleserinnen und –lesern.

Nun – zufrieden mit dem Ausgang der Wahl??? Der Häupl ist vom absoluten Sockel gestürzt – o.k. – das mit dem 180-Grad-Bundesheerdreher hat schon auch ein bissl was gekostet, oder? Die Marek mit ihrem Anbiederungsbanalwahlkampf und Pipifax-Sager hat locker den bisherigen Wählertiefpunkt unterlaufen. Die Vassilakou hat sich zwar tapfer geschlagen aber nix hat`s gnutzt. Bleibt der Strache mit seiner Abschlusskundgebung am Stephansplatz – wer hat das überhaupt genehmigt Frau Bezirksvorsteher, Herr Kardinal??? – und seinen 27% als Bestätigung für seinen faschistoiden, krankhaften Fremdenhasswahlkampf. Das Unverständnis, die Empörung, die Wut der Restwähler „über seine dummen Anhänger“ ist aber auch ein bissl heikel. Wer oder was ist schon dumm. Nach der Wählerstromanalyse sind zumindest die Frauen besser dran, die haben seltener den Feschak Strache gewählt als die Männer. Und gar so dumm haben die zahlreichen jungen Jubilierer im blauen Festzelt auch nicht ausgesehen. Aber was mach ich mit den 27% meiner mitläuferischen GlossenleserInnen??? Von mir aus auch nur 20% - soll sein. Aber jeder 5. meiner LeserInnen hat den Strache gewählt. Jeder 5. hat für Toleranz, Vernunft, Demokratie, Weltoffenheit, Kultur eigentlich fast nichts bis gar nichts übrig. Jeder 5. suhlt sich also mit seinem Hero in schon einmal erlebten Aufwiegeleien, Aufhetzereien und Hassgeifereien. Und findet/denkt sich vielleicht sogar nicht einmal was dabei. Deshalb darf ich hiermit an jeden 5. meiner strachitischen GlossenleserInnen appellieren: Lest mich bitte nicht mehr.

Ihre Meinung

6 Postings in diesem Forum
Viel Feind, viel Ehr
Ingeborg Knaipp | 18.10.2010 05:38 | antworten
Jeder Fünfte Ihrer Leser suhlt sich in Haßgeifereien, Aufwiegeleien, Aufhetzereien und hat nichts übrig für Toleranz, Vernunft, Demokratie, Weltoffenheit und Kultur? Wie dankbar müssen Sie sein, nicht so zu sein, wie diese! Und wie wahr, gut und schön, wenn die Autoren eines Mediums, das sich der Kultur widmet, ein so hohes moralisches Niveau und kultiviertes Benehmen in Wort und Schrift an den Tag legen. Als kultivierter, demokratischer, weltoffener Mensch fühlt man sich richtig wohl hier.
Kunst und Kitsch in Prozenten
Martin Praska | 18.10.2010 08:54 | antworten
Lieber Manfred, frag mich nicht, welcher Studie zufolge, aber danach haben etwa 2 % der österr. Bevökerung ein Original Kunstwerk zuhause... die selbstgemalten Bilder mit eingeschlossen. Was glaubst du, welcher Prozentsatz das artmagazine liest und davon speziell wieviele deine Glosse? Ich will nicht zu pessimistisch sein, aber gut möglich, dass du den Strachisten ein bisschen viel Kultur zutraust. Allenfalls wird es die eine oder den anderen Christlichsozialen geben, der/die sich in der guten Galerie mit schönen bitte nicht allzu modernen Zeichnungen eindeckt und natürlich viele Sozialdemokraten, die eh alles mitmachen. Denen kannst du dann bei Gelegenheit sagen, dass, wer Fekter sät, eben Strache erntet. Es sind dies die verheerenden Folgen, es seinem Publikum recht machen zu wollen. Man kann Populismus dazu sagen oder Kitsch.
PC, die neue Spießigkeit
Ingeborg Knaipp | 21.10.2010 03:57 | antworten
Unter den Original-Kunstwerken sind nicht nur zahlreiche selbstgemalte, sondern auch ein großer Prozentsatz an Antiquitäten. Das Interesse an zeitgenössischer bildender Kunst und die entsprechende Käuferschicht dürften im Promillebereich liegen. Aber darum geht es in dieser Glosse nicht. Es geht um ein ungewöhnlich hohes Ausmaß an Selbstverliebtheit und "moralischen" Hochmut, kurzum, um politische Korrektheit. Die hatte mit Kunst noch nie etwas zu tun, sondern nur mit Spießigkeit. Deshalb kann ein derartiges Mindset auch nicht elitär genannt werden: Spießigkeit ist nicht elitär, sondern kleinbürgerlich.
Hochmut?
Martin Praska | 24.10.2010 12:03 | antworten
Es braucht keinen moralischen Hochmut, um sich über die armen irregeleiteten und aufgestachelten FPÖ-Wähler zu alterieren, sondern nur Mitmenschlichkeit. Und man kann ruhig annehmen, dass jemand mit einer derartigen Gesinnung, also dem sprichwörtlichen Brett vor dem Kopf, sich nicht für Kunst interessiert allenfalls für falsch verstandene Kunst, also Kitsch. Kitsch, die allgemeine Vergartenzwergung, Populismus und Mir-san-Mir-Verblendung stehen in einem Zusammenhang. Und Künstler wie Galeristen tragen auch mit die Verantwortung, dass das werte Publikum die Scheuklappen ablegt und den Horizont erweitert, anstatt in Gefälligkeitskunst und Selbstgerechtigkeit zu baden.
Und noch etwas...
Martin Praska | 24.10.2010 12:55 | antworten
"Ein Maler malt, was er verkauft, ein Künstler verkauft, was er malt." Picassos Maxime sollten wir uns (Künstler, Galeristen) immer vor Augen halten, damit wir uns nicht dem Vorwurf aussetzen müssen, an der Verkleinhirnung des Landes mitzuwirken.
In Selbstgerechtigkeit badet
Ingeborg Knaipp | 27.10.2010 03:11 | antworten
hier vor allem Manfred Lang, und zwar in einem so odiosen Ton, daß nicht nur an seiner ästhetischen Urteilsfähigkeit gezweifelt werden muß. Ein derartiger Hochmut gepaart mit hundertprozentiger sprachlicher Indolenz ist zwar im Allgemeinen keine seltene Erscheinung, sollte sich für jemanden, der den Beruf eines Kunstvermittlers ausübt, aber von selbst verbieten. Unbedarftheit in ästhetischen Fragen ist, wie man sieht, nicht so sehr an eine bestimmte Parteinähe gebunden. Kitsch existiert auch sehr gut in kanonisch sozialistischen Habitaten; mag sein, daß ein Bobo diese nicht aus eigener Anschauung kennt.

Das artmagazine bietet allen LeserInnen die Möglichkeit, ihre Meinung zu Artikeln, Ausstellungen und Themen abzugeben. Das artmagazine übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der abgegebenen Meinungen, behält sich aber vor, Beiträge die gegen geltendes Recht verstoßen oder grob unsachlich oder moralisch bedenklich sind, nach eigenem Ermessen zu löschen.

© 2000 - 2022 artmagazine Kunst-Informationsgesellschaft m.b.H.

Bezahlte Anzeige
Bezahlte Anzeige
Bezahlte Anzeige
Gefördert durch: