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Irma Rafaela Toledo zum 100. Geburtstag: Toledo – eine Künstlerin aus Salzburg

Als der Krieg zuende war und man weder Angst vor Repressalien, noch Angst vor Bomben und Vernichtung haben musste, brach überall mit Macht eine künstlerische Szene auf, die man so vielleicht nicht erwartet hatte – wenn man überhaupt etwas erwartet hatte, außer, dass der Krieg und die Nazizeit zuende sein würden. Art-Club und Otto Mauer sind berühmt für diesen Neuanfang. Da sich bei diesem Aufbruch in die Moderne die Kunstszene total veränderte, war es eigentlich kein Wunder, dass nicht mehr nur Maler, sondern auch Malerinnen dazu gehörten und zwar durchaus gleichberechtigt. Auch in der 1952 gegründeten „Salzburger Gruppe“ waren Malerinnen vertreten. Ich spreche hier von den Malerinnen Agnes Muthspiel (sie war auch Mitglied des Art-Club), von Trude Engelsberger und Irma Rafaela Toledo. Allerdings wurden sie gerne unter dem Label „naiv“ geführt. Was aber damals nicht und 60 Jahre später schon gar nicht stimmt. Eine Ausstellung mit Werken von Toledo in der Galerie Seywald in Salzburg, aus Anlass ihres 100. Geburtstages, macht das deutlich. Toledo war als Jüdin von den Nazis verfolgt und überlebte die letzen Monate des Krieges versteckt in einem Bauernhaus. Die Bedrohung war 1945 überstanden und sie war nicht nur physisch befreit, sondern auch künstlerisch. Es brach aus ihr heraus, „sie nahm den Pinsel in die Hand und malte“ (aus dem Buch „Künstlerinnen in Salzburg“, von Barbara Wally) und sie hielt sich an das, was ihr der Malerfreund Kurt Moldovan gesagt hatte: „Sie wissen, dass Sie Malerin werden müssen, aber Sie müssen täglich arbeiten“. Und sie hörte bis zu ihrem Tod, 2002, nie mehr auf zu malen. Wie Toledo so ging es auch den anderen Künstlerinnen. Sie fingen eines Tages an zu malen und sie malten ihr ganzes Leben lang. Agnes Muthspiel (1914-1966) hatte nach literarischen Anfängen sehr bald erkannt, dass ihre Stärke in der Malerei lag und angeregt durch das Klima in Salzburg nach 1945, wo der Bauhauskünstler Max Peiffer-Watenphul lebte, aber auch der vormals „entartete“ Maler Slavi Soucek, begann eine Zeit intensiver Auseinandersetzung mit Kunst, bis hinein in die Salzburger Festspiele, wo Caspar Neher als Bühnenbildner wirkte. Auch Trude Engelsberger (1920-1986) fand zur Malerei. War Agnes Muthspiel eine extrovertierte Künstlerin, die gerne reiste und Menschen um sich hatte, so war Trude Engelsberger eher introvertiert und blieb lieber allein. Malte die eine ohne Vorzeichnung direkt auf Leinwand oder Karton, so arbeitete die andere nach vielen kleinen Skizzen „wenn ich eine noch so kleine Skizze habe, habe ich gleichzeitig ganz Rom mitgedacht“. Der Malprozess selbst dauerte dann lang und erforderte viele Überlegungen und Übermalungen bis zum fertigen Bild. Naiv, im abwertend und gerne auf Frauen bezogenen Sinn, waren alle Drei nicht. Sie hatten nicht nur viel von Anderen gelernt, sondern auch an sich selbst und sind gereift durch ihr Werk. Die aktuelle Ausstellung von Toledo mag hier beispielhaft sein. Gezeigt werden Arbeiten aus vielen Jahrzehnten. Es sind fast durchwegs Ölbilder, Landschaften, Städte, Stilleben und Portraits, die ihren hohen Malstil deutlich machen. Ihre Techniken waren die klassische Ölmalerei, streng gebaut und sehr überlegt komponiert, oder aber das schnelle Aquarell, das Augenblicke einfing oder Stimmungen. Poetische, manchmal auch melancholische Portraits zeigen ihre Fähigkeit auf Menschen zuzugehen, ihre Landschaften die Fähigkeit zur Konzentration auf das Wesentliche. Immer mehr aber wandte sie sich vom Gegenstand ab und in ihrem Zyklus über die Genesis, nach der Übersetzung von Martin Buber, wird die Abstraktion zur Vollendung. Diese Bilderserie fand im „Toledo Zimmer“ im Bildungshaus Schloss Puchberg eine würdige Präsentation.
Irma Rafaela Toledo zum 100. Geburtstag
30.06 - 11.09.2010

Galerie Seywald
5020 Salzburg, Sigmund Haffnerg. 7/1. Stock
Tel: +43 662 84 04 26, Fax: +43 662 84 78 66
Email: info@galerie-seywald.at
http://www.galerie-seywald.at/
Öffnungszeiten: Di-Fr 14.30-18.30, Sa 10-13 Uhr


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