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BRAFA - Brussels Antiques and Fine Art Fair: Preise, die Staunen machen

Drei Eröffnungen müssen es schon sein in Brüssel. Die BRAFA ist zwar eine der feineren Kunst- und Antiquitätenmessen, doch an die Tefaf reicht auch die Veranstaltung mit der edlen Adresse Thurn & Taxis in keiner Beziehung heran. Während dort an jedem Tag der Laufzeit Premiumpublikum anzutreffen ist, das entsprechend Geld ausgibt, wollen die wohlhabenden Kunden in Europas Hauptstadt besser behandelt werden, bevor sie die Brieftasche zücken. Daher gibt es am Abend vor der ersten Eröffnung einen Galaempfang, zu dem jeder Aussteller lediglich zehn Gäste einladen darf. Die Ticketpreise von 300 Euro sind dabei noch nicht in den Standkosten enthalten – und für sich und sein Personal muss der Händler auch noch Karten kaufen. Gleichwohl kamen dieses Jahr bei rund 120 Ständen 1100 Personen zusammen. Danach folgen eine Vor-Vernissage und die Vernissage, bevor am Freitag das Fußvolk gegen Eintrittsgeld das Angebot von Stammeskunst über Antiken und Antiquitäten bis zu Alten und Neuen Meistern sowie zunehmend Zeitgenössischer Kunst bewundern darf. Dabei ist die Messe dort am stärksten, wo auch der frankophone Markt eine Vorrangstellung behauptet. Das sind besonders Stammeskunst und Antiquitäten. Dementsprechend setzt sich das Händlerfeld hauptsächlich aus Franzosen und Belgiern zusammen. Unter den Ausstellern mit afrikanischer Kunst findet sich mit Jacques Germain lediglich ein Ausländer, und der kommt gleich aus Montreal in Kanada. Er ist zum ersten Mal zugelassen und hat sich für die BRAFA als einzige Auslandsmesse entschieden, weil sie seiner Meinung nach weltweit die beste Veranstaltung ihrer Art ist. Tatsächlich ist er hier von rund einem Dutzend Kollegen umgeben, so viel wie sonst nirgends. Nicht allein mit seinem Angebot ist auch Dr. Rainer Jungbauer aus Straubing, der etwa in Köln einer von dreieinhalb Händlern wäre, der mittelalterliche Skulpturen anbietet. Selbst in München oder bei der Wiener Hofburg-Messe fühlt er sich auf verlorenem Posten, weshalb er jetzt schon ein Dutzend Mal in Brüssel mitgemacht hat und auf den Rest verzichtet. Offensichtlich mit einigem Erfolg. Noch während er erzählt, dass in Belgien Kaufentscheidungen gründlich abgewogen und selten beim ersten Besuch getroffen werden, kommt ein Niederländer an den Stand und sichert sich nach zehnminütigem Studium eine spätmittelalterliche Holzskulptur – ohne Feilschen. Denn das sei essentiell in seinem Metier, meint Jungbauer: „Die Leute hier sind sehr belesen und aufgeklärt. Die kennen die Preise.“ Das scheint für die älteren Sammelgebiete mehr zu gelten als für die Kunst ab der Klasssischen Moderne, zumindest dem Händlerangebot nach zu urteilen. Ein Münchener Kollege etwa, der hier nicht zum ersten Mal ausstellt, arrangiert zwischen seine angestammte Ware vom 15. bis 18. Jahrhundert ungeniert zeitgenössische Geschmacklosigkeiten, die man eher auf einer Messe in der südwestdeutschen Provinz erwarten würde. Und Erstaussteller Ludorff aus Düsseldorf leistet sich mit seinem unbenommen hochwertigen Angebot zwischen Moderne und Modern Contemporary ein Preisniveau, das Staunen macht. Doch das verwundert ohnehin immer wieder. Die Bandbreite bisweilen durchaus musealer Kunst, die auf Leistungsschauen wie dieser präsentiert wird, wirft die Frage auf, was die astronomischen Preise für aktuell produzierte Fließbandware rechtfertigt oder auch für bessere bürgerliche Deko, mit der Uropa seinen muffigen Salon schmückte. Die alten Schätze, die ihren Stellenwert längst nicht mehr beweisen müssen, sind daran gemessen viel zu billig.
BRAFA - Brussels Antiques and Fine Art Fair
22 - 31.01.2010

Tour & Taxis
1000 Bruxelles, avenue du Port 86 C/ B
http://www.brafa.art
Öffnungszeiten: 11 - 19h


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