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Daniel Kehlmanns Salzburger Festrede und ich

Da ich letzten Samstag – aus welchen Gründen auch immer – schon wieder nicht zur Eröffnung der Salzburger Festspiele eingeladen war, durfte ich die Festrede Kehlmanns auch nicht hören. Dafür ohne hüstelnde Ruhestörung sonntagvormittags im Internet lesen. Aus einer berührenden Hommage an seinen Vater Michael entwickelt sich eine spitzzüngige Abrechnung mit dem deutschsprachigen Regietheater. Da ich Michael Kehlmann einigermaßen gut kannte und besonders den „Regisseur als Diener des Autors“ an ihm besonders schätzte, freut mich ein Abkanzelungssatz seines Sohnes wie „in einer Welt, in der niemand mehr Marx liest und kontroverse Diskussionen sich eigentlich nur noch um Sport drehen, ist das Regietheater zur letzten verbliebenen Schrumpfform linker Ideologie degeneriert“, besonders. Das erinnert mich dann aber auch gleich an diesen wunderbar blöden Satz einer Galeristin zu einer Künstlerin: „uns interessieren prinzipiell keine Zeichnungen“. Oder an jenen honorigen Kunstsammler, der mich vor einiger Zeit wissen ließ – „ja wenn sie nur Flachware zeigen, brauchen Sie sich nicht wundern, wenn ich bei ihnen nichts kaufe“. Und auch an jenen Künstler, der von einer renommierten Galerie nicht auf eine wichtige Kunstmesse mitgenommen wurde, „weil du einfach nicht mehr in die heutige Zeit passt“. Ich könnte noch einige solcher Erlebnisse anführen, die mich immer wieder fast resignieren lassen an unserer zeitgenössischen Kunstschnitzeljagd nach dem noch nie Gesehenen. Wenn Daniel Kehlmann in seiner Salzburger Festrede sagt: „Es hat wohl mit der folgenreichsten Allianz der vergangenen Jahrzehnte zu tun: dem Bündnis zwischen Kitsch und Avantgarde“, so kann es ganz gut sein, dass er nicht nur das Regietheater meint. War er vielleicht schon auf der Biennale in Venedig?

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