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Henri Fantin-Latour 1836 - 1904: Personen und Blumentöpfe oder Dr. Fantin und Mr. Latour

„Henri Fantin-Latour (1836-1904)“ – so sachlich der Titel der Ausstellung ist, so nüchtern begegnen einem die ersten Arbeiten des französischen Malers. Porträts und Selbstporträts: ernste Blicke aus fast dämonisch wirkenden Gesichtern ohne jeden Ausdruck – oder alle mit dem selben – dem des Künstlers? Wären da nicht die symbolistischen Allegorien auf die Künste und die Musiker, die den Abschluss bilden, und von denen man beim Eintreten nur die elegische Hommage „The Anniversary (to Berlioz)“ aus einem Augenwinkel gestreift hatte. Während die ernsten komponierten Gruppenporträts wie strenge Fotografien konzipiert sind, schweben die Allegorien – „Rheingold“ von 1888 aus der Kunsthalle Hamburg etwa – nah am herrlichsten Kitsch, klar beeinflusst vom Symbolismus. Und in der Tat haben seine Reisen ab 1859 nach England ihn in den Kreis der Präraffaeliten geführt und seine Liebe zu Natur und natürlicher Darstellung noch gestärkt. Fantin malte jedoch nie in der freien Natur. Gebildet, ein großer Kenner der Musik, geduldiger Vermittler zwischen englischen und französischen Malern, Freund der künstlerischen Elite seiner Pariser Zeit, strikter Ateliermaler, in England spezialisiert auf Blumen- und Früchtestilleben mit großem kommerziellen Erfolg, die er ebenfalls im Studio malte von leuchtender Kraft. Seine Motive sind auf die Essenz konzentriert. „Man male eine Person nicht anders als einen Blumentopf“, lautet ein Rat Fantin-Latours. Wer damit die Starrheit der Porträts erklären will, irrt: Die Liebe gehört den Blumen und Früchten. Sie haben Leben – und das gönnt er auch den Personen. Doch die Konzeption, der Hintergrund, das scharfe Licht schaffen Distanz, Künstlichkeit oder den eingefrorenen Moment des Auslösens einer Fotografie. Besonders deutlich in „Coin de table“ von 1872 mit Paul Verlaine, Arthur Rimbaud und anderen französischen Dichtern an einem Tisch. Romantischer sind die zarten Porträts lesender Frauen. Sein Handwerk hat er gelernt beim Kopieren alter Meister im Louvre: der Kurator Vincent Pomarède hat zwei besonders schöne Beispiele dieser Phase ausgewählt: die kleinen Ölbilder „Das Paradies“, eine Kopie Tintorettos, entstanden vor 1870, klein wirr, angedeutet, undeutlich, und „El Calvario“ nach Veronese, ca. 1854. Die „Hochzeit zu Kana“ nach Veronese ist gleich zweimal als monumentale Kopie vertreten: einmal aus Belfast, einmal aus Mexiko-Stadt. Fantins Mutter war Russin, der Vater Italiener, in Grenoble geboren, in Paris zum Künstler gereift, in England Freund großer Maler, ein Kosmopolit in vielerlei Hinsicht. Möglicherweise ist es die mangelnde Festlegung auf eine Linie, das fehlende Markenzeichen bei Fantin-Latour, das dazu geführt hat, dass diesem Maler, der zu Lebzeiten in über 150 englischen Ausstellungen und über 70 französischen vertreten war, in den letzten Jahrzehnten relativ wenig Aufmerksamkeit zuteil wurde. Die Ausnahmen: die Foundation de l’Hermitage in Lausanne hatte Fantin 2007 die Ausstellung „De la réalité au rêve“ gewidmet und jetzt im Thyssen-Bornemisza, in Zusammenarbeit mit dem Museu Calouste Gulbenkian in Lissabon, wo die Schau zuvor zu sehen war.
Mehr Texte von Clementine Kügler

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Henri Fantin-Latour 1836 - 1904
29.09.2009 - 10.01.2010

Museo Thyssen-Bornemisza
28014 Madrid, Palacio de Villahermosa Paseo del Prado, 8.
Tel: +34 (0)91 369 01 51, Fax: +34 (0)91 420 27 80
Email: mtb@museothyssen.org
http://www.museothyssen.org/


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