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Die neue Bescheidenheit

Waren in den letzten Jahren bei den großen deutschen Auktionshäusern die Zeitgenossen auf dem Vormarsch, scheint sich das Blatt jetzt wieder zu Gunsten der Klassischen Moderne gewendet zu haben. Doch auch hier herrscht jetzt wieder Bescheidenheit. Die Kataloge sind durchschnittlich etwas dünner und die geforderten Preise niedriger. Allerdings ist museale Qualität seltener geworden. Nur ein einziges Werk mit Millionentaxe wird in dieser Saison auf deutschen Auktionen angeboten. Es handelt sich um eines der seltenen Gemälde Max Beckmanns von der Côte d'Azur. 800.000 bis 1,2 Mio. Euro erwartet Villa Grisebach für den düsteren „Nachtgarten bei Cap Martin“ (Lot 41). Weniger prominent, dafür umso spektakulärer ist die „Futuristische Prinzessin“ (Lot 28) von Georg Scholz mit einer Taxe von 250.000 bis 300.000 Euro. Das Gemälde, das bis 1996 über 20 Jahre lang in der Pfalzgalerie Stuttgart gehangen hatte, war 2001 bei Sotheby's für 91.500 Pfund brutto verkauft worden. Im Fotokatalog findet sich ein Werk, das ebenfalls schon einmal über den Auktionsblock gegangen war: Curt Rehbeins Aufnahme des „Gläsernen Wolkenkratzers“ von Ludwig Mies van der Rohe (Lot 1340/Taxe 10.000-15.000 Euro)). Derselbe Abzug hatte anderthalb Jahre zuvor bei Berliner Kollegen mit 100.000 Euro netto den höchsten Zuschlag für ein Foto in Deutschland erhalten, doch der Verkauf war wohl nie zustande gekommen. Ebenfalls im Angebot sind zwei Glasnegative desselben Projekts. Den zweithöchsten Einzelerlös der Saison erhofft sich Hauswedell & Nolte in Hamburg, wo 800.000 Euro für Alexej von Jawlenskys Portrait seiner späteren Ehefrau Helena (Lot 23) im Katalog stehen. Spannend könnte es bei Wassily Kandinskys Studie für „Reitendes Paar“ (Lot 26/Taxe 300.000 Euro) werden, dessen ausgeführte Version einer der Inkunabeln des Blauen Reiters ist. Etwas bescheidener geht das Kunsthaus Lempertz aus Köln zuwerke, das 500.000 bis 700.000 Euro für Heinrich Campendonks „Blumenbild (Lot 37) erwartet, das sich ehemals im Besitz des Künstlerkollegen Walter Dexel befand. Der Konjunktur angemessen weit unterhalb des ehemaligen Rekordpreises für eine Papierarbeit Fernand Légers, die hier vor einigen Jahren erzielt wurde, wird jetzt „Le Fumeur“ (lot 108) aus dem Jahr 1911 für 250.000 bis 280.000 Euro angeboten. Fabrizio Plessis Videoskulptur „Bombay Bombay“ (Lot 520/Taxe 160.000 Euro) ziert den Titel des Zeitgenossen-Katalogs, in dem Niki de Saint-Phalles „Buddha“ (Lot 561) mit 250.000 bis 350.000 Euro das teuerste Objekt ist. Die rheinische Konkurrenz von Van Ham wartet mit einer kleinen Sensation auf: Ernst Ludwig Kirchners Gemälde „Drei Akte im Wald“ (Lot 76/Taxe 400.000-600.000 Euro). Das Werk hat bis zum Verkauf aus dem Kölnischen Kunstverein die gleiche Provenienz wie die berühmte „Straßenszene“, wurde von den Erben des Sammlers Alfred Hess im Gegensatz zum restituierten Berliner Bild jedoch nicht reklamiert.

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