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Retour-Kutsche

Einen Monat nachdem 13 Pariser Galerien bei ihren Berliner Kollegen gastierten (siehe den artmagazine Artikel vom 11. Jänner 2009), erfolgt dieser Tage die Gegeneinladung. So unterschiedlich die zwei Metropolen auch sein mögen, der Künstler-Austausch zwischen Spree und Seine funktioniert problemlos, akzentuiert von unterschiedlichen Sehgewohnheiten. Unisono berichten Pariser und Berliner Galeristen über eine befruchtende Zusammenarbeit und vermehrtes Publikumsinteresse anlässlich dieser konzertierten Ausstellungsschau. Anstoß zur Initiative gab die Französischen Botschaft in Berlin, die partizipierenden Galerien fanden sich ihre Partner und beleben so die trüben Monate zu Jahresbeginn. Unbürokratisch und kollegial, ganz im Sinne deutsch-französischer Freundschaft. Wie schon in Berlin sorgt der Austausch auch in Paris für Zeitsprünge: Die für klassische Moderne bekannten Galerie 1900-2000 oder Natalie Seroussi arbeiten mit zeitgenössischen Statements von Kollegen. Bei ersterer zeigt Mehdi Chouakri unter dem Titel „L’Air de Berlin“ eine kleine, feine Kollektion mit Objekten u.a. von John Armleder, Sylvie Fleury und Hans-Peter Feldmann. Carlier/Gebauer zeigen bei Natalie Seroussi Videoarbeiten des in Brasilien geborenen und in Berlin lebenden Künstlers Marcellus L. Auf fünf parallelen Monitoren wandeln Besucher durch die Fluchten des Berliner Mahnmals. Was für den deutschen Blick sofort erkennbar ist, wird für den Pariser zur Abstraktion und selbst der Pressetext spricht nicht vom Holocaust Denkmal, sondern kryptisch von „einem mentalen Raum, der nur im Video, nicht aber in der Realität lokalisierbar“ wäre. Kontextwechsel kann schnell zum Missverständnis oder eben zu einer anderen Sichtweise führen. Esther Schipper zeigt Arbeiten von Angela Bulloch gleich an zwei Orten, nämlich Pixel-Boxen, die auf Bridget Riley verweisen, bei Air de Paris und eine 24-Kanal -„Soundalike“-Installation in der Design-Galerie Kreo. Im Marais beteiligt sich Almine Rech mit einer Einladung an Johann König, der im Obergeschoß die reduzierten Skulpturen der Städelschul-Absolventin Michaela Meise mit den fluoreszierenden Bildern aus den 60iger Jahren des wiederentdeckten Manfred Kuttner kombiniert. Christian Nagel stellt in der Galerie In-Situ die 1977 geborene Deutsche Kalina Lindena vor: aus verschiedenen Materialien entwirft sie Skulpturen, die sie wie Requisiten oder Bühnenprospekte im Raum arrangiert und als Szenerien für filmische Projektionen verwendet. Ohne Klischees bemühen zu wollen, mutet diese Arbeit weniger deutsch, sondern in seiner spielerischen Art, sehr französisch an. Und ist den amorphen Gebilden des französischen Künstlers Vincent Tavenne, der von der Berliner Galerie Giti Nourbakhsch bei gb agency gezeigt wird, durchaus verwandt. Weder deutsch noch französisch, sondern von einem Aufenthalt in Vietnam inspiriert, sind die kuriosen Stücke, die das amerikanisch-japanische Duo Takeki Maeda und Jay Danh Vo bei BaliceHertling, in Einladung von Isabella Bortolozzi, zusammen trugen. Diese Arbeit im Besonderen und das Austausch-Projekt im Ganzen sind gelungene Beispiele für das kosmopolite Wirken und Werken zeitgenössischen Künstler und Galeristen. Der Austausch ihrer lokalen Inseln, sprich Galerien, könnte zu einer bereichernden Tradition werden.
Mehr Texte von Ana Berlin

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