Clementine Kügler,
Francis Bacon: Premiere mit Meister
Es gab eine lange Diskussion um die Frage, ob das Prado-Museum einen Zeitgenossen ausstellen darf oder das nicht darf. Bislang galt Picassos Geburtsjahr 1881 als Richtlinie: vorher geborene Künstler kamen in den Prado, die danach das Licht der Welt erblickten, gehörten in das Reina Sofía-Museum für moderne Kunst. Prado-Direktor Miguel Zugaza wollte Miquel Barceló zur Premiere in die ehrwürdigen Hallen holen, nun wurde es Francis Bacon in den neuen Sälen des kolossalen Kunstmuseums.
Wer sich einen speziellen Dialog der Werke Bacons mit den berühmten spanischen Anregern wie Velázquez, Goya oder Picasso erwartet, der wird enttäuscht. Die Retrospektive entstand zum 100. Geburtstag in Zusammenarbeit mit der Londoner Tate Britain und dem New Yorker Metropolitan Museum of Art und zeigt mit 62 Arbeiten einen Abriss aller Schaffensphasen von 1945 bis 1991. Die weitgehend chronologische Ordnung ist in zehn Themenbereiche unterteilt. Bacons enge Bindung an Madrid, wo er im April 1992 starb, war der Kunst und der Liebe geschuldet. Dennoch war dem Maler in Spanien nur 1978 in der Juan March-Stiftung eine kleine Ausstellung gewidmet worden.
Die Intensität der Schau im Prado ist überwältigend: sie berührt, verstört, macht betroffen, auch ärgerlich (etwa angesichts des paralytischen Mädchens auf allen Vieren), erweckt Bewunderung und wühlt auf, wohl keinem Besucher geht dieses Panorama leidender Seelen und schreiender Körper schnell aus dem Kopf, zu dem die Farbenfreude und Intimität nur scheinbar im Gegensatz stehen.
Von nicht auf den ersten Blick als von Bacon auszumachenden Werken wie dem Kriegs-Frühwerk „Figure in a Landscape“ (1945) oder „Jet of Water“ (1988) über eine Fülle großer Triptycha, etwa das an T.S.Elliots Gedicht „Sweeney Agonists“ (1967) inspirierte, über die Porträts bis hin zu einem letzten Selbstbildnis von 1991 zeigt sich die brutale, radikale, drastische, zerstörerische Welt des Malers. Der Einblick in das Material seines Studios lässt erahnen, wie gründlich Bacon sich auseinandersetzte mit seinen Anregungen. Ein Triptychon von 1983 aus der Sammlung von Juan Abelló ist allerdings nur in Madrid ausgestellt. Es reiste nicht nach London und wird nicht nach New York fliegen, wo die Retrospektive ab Mai zu sehen ist.
Mehr Texte von Clementine Kügler
Francis Bacon
03.02. - 19.04.2009
Museo Nacional del Prado
28014 Madrid, Paseo Prado
Tel: +34 91 330 28 00
Email: museo.nacional@museodelprado.es
http://www.museodelprado.es/
Öffnungszeiten: Mo-Sa 10-20h, So & Feiertage 10-19h
03.02. - 19.04.2009
Museo Nacional del Prado
28014 Madrid, Paseo Prado
Tel: +34 91 330 28 00
Email: museo.nacional@museodelprado.es
http://www.museodelprado.es/
Öffnungszeiten: Mo-Sa 10-20h, So & Feiertage 10-19h
Teilen
