Clementine Kügler,
Rekorde, aber nur auf lokalem Niveau
Einige spanische Maler stellen auf internationalen Auktionen Rekorde auf, so jüngst Antonio López García, der mit seinem hyperrealistischen „Madrid desde Torres Blancas“ für 1,74 Millionen Euro den mallorquinischen Star Miquel Barceló und Altmeister Antoni Tàpies als teuersten lebenden spanischer Künstler überholte.
Weit entfernt von solchen Preisen ist der spanische Markt – trotz Häusern in Barcelona, Bilbao oder Sevilla liegt sein Schwerpunkt eindeutig in Madrid – und wenn Höchstpreise erzielt werden, dann dank einer internationalen Firma wie Christie’s. Sie zieht das nötige Vertrauen und die spendabelsten Kunden an und verbuchte 2008 gleich sieben der Top Ten. Und das an einem Abend, der viel vom früheren Glanz der einmal jährlich in Madrid stattfindenden Auktionen mit spanischer Kunst eingebüßt hatte. Insgesamt fehlten auf dem spanischen Markt qualitätsvolle Altmeister der und großzügige Abnehmer.
Manolo Valdés wurde zum teuersten Los des Vorjahres mit „Matisse como pretexto“, einem hingestreckten Akt, der 420.000 Euro einspielte. Platz 2 besetzt der italienische Historienmaler Giovanni Luigi Rocco beim Madrider Haus Alcalá. Vier seiner Schlachtengemälde erwarb der spanische Staat zum Vorkaufsrecht für 265.000 Euro. Ebenso wie ein Porträt der Herzogin von Osuna, das der Goya-Zeitgenosse Agustín Esteve circa 1796-97 gemalt hatte, für 220.000 Euro (Platz 6). Ein Christus-Bildnis des Velázquez-Zeitgenossen Alonso Cano beim Haus Arte in Sevilla für 95.000 Euro war die dritte hochkarätige Investition des spanischen Kulturministeriums, die im Ranking allerdings den 23. Platz einnehmen würde.
An fünfter Stelle steht noch einmal Manolo Valdés mit einem genähten Collage-Kopf aus Sackleinen, der für 250.000 Euro im Madrider Haus Retiro zugeschlagen wurde. Zum gleichen Preis wechselten bei Christie’s Pablo Palazuelo „Virtus Marín VI“ (Platz 3) und Oscar Domínguez’ „Femmes au boîtes de sardines“ aus Genfer Privatbesitz in eine europäische Sammlung (Platz 4). Eines der wenigen Bietgefechte des Jahres entfachte das surreale Bild „Ceres“ von Domínguez. Bei Ansorena hatte es mit 140.000 Euro weit mehr als die Schätzung von 90.000 erzielt. Die größte Überraschung brachte jedoch ein „Königlicher Vogelhändler“ des valencianischen Hofmalers Francisco Michans, der bei Balclis in Barcelona für leise 8000 Euro angeboten und für stolze 150.000 Euro zugeschlagen wurde.
Zurück zu den Top Ten: Erfolgsstar Barceló belegt den siebten Platz mit „Talls“, einer Sand-Collage von 1988, zur unteren Schätzung von 180.000 Euro – wieder bei Christie’s. Das Madrider Haus Ansorena belegte mit einem „Begräbnis der heiligen Catalina“ von Francisco de Zurbarán und Werkstatt bei bescheidene 175.000 Euro den achten Platz. Die letzten beiden Plätze sicherte sich wieder Christie’s mit Werken von Juan Uslé („Nudo suelto“ von 2000-01, Taxe 42.000 Euro) und Manolo Millares („Personaje“ von 1968, Taxe 95.000 Euro) zu je 160.000 Euro.
Der Krise wird in Spanien mit neuen Häusern begegnet. Auf Mallorca etabliert sich Riskal und in Madrid öffnen gleich zwei Firmen: Subastas Galileo startet Ende Januar und das venezolanische Auktionshaus Odalys will dank der spanischen Hauptstadt den europäischen Markt erobern. Kunst sei ein bleibender Wert und mache zudem das Leben schöner, begründet Direktorin Odalys Sánchez ihren Optimismus.
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