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Bin ich ein Künstler oder was?!?

1. Akt Vor ca. drei Jahren habe ich mich in meinen Mastdarm verknallt. Natürlich hatte auch mich damals die endoskopische Angst ganz schön im Griff. Aber als ich dann dreidimensional und in Farbe die aufregende Fahrt der Kamera um die erste Darmschlinge miterleben durfte, war es um mich und meine Angst geschehen. Ich war nur mehr begeistert. 2. Akt Ich war so begeistert, dass ich mir einige Prints machen ließ. Meine Lieblingsaufnahme trug ich so lange mit mir herum, bis sie alle meine Freunde und Bekannten? ob sie wollten oder nicht ? gesehen hatten. Dann ordnete ich sie im Familienalbum ein. 3. Akt Es gelang mir in all der Zeit nicht, einen direkten Zusammenhang mit Joseph Beuys herzustellen. Bezüglich seiner berühmten Aussage, dass jeder Mensch ein Künstler sei. Ich muss allerdings gerechter Weise sagen, dass ich mich damals nicht wirklich mit dieser These identifizieren mochte. 4. Akt Gestern lese ich in der ?Zeit?, dass die Innenansicht von Susan Stahnkes Darm im Fernsehen gezeigt wurde. 5. Akt Nun einmal angenommen, die Exmoderatorin Stahnke beschließt ? frei nach Beuys ? im zweiten Bildungsweg Künstlerin zu werden. Mit ihrem Darminnenleben als erster Performance. Und mit Fotos die als Kunstwerke verkauft werden. Ich meine, da schaue ich gar nicht mehr gut aus. Ich war doch so begeistert, so fasziniert, so sendungsbewusst damals. Einfach jedem habe ich meine Fotos gezeigt. Ich war ein durch und durch überzeugter Performer. Aber weit und breit war kein Fernsehen, das mir auf die Sprünge geholfen hätte. Aber jetzt kommt ein fesches Weib und schon ist ihr Darm auf Sendung. Und sicher wird auch noch irgendwer kommen und ihr das Künstlerinnendasein einreden. Dabei war ich doch vor drei Jahren der Erste.

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