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Eine ganz neue mediale Kultur

Ich kann mich noch genau erinnern – und auch nur deshalb, weils noch gar nicht so lange her ist, dass die Regel Nr. 1 des Journalismus lautete: only bad news are good news. Da warteten alle Journalisten, der Chefredakteur und der Herausgeber verzweifelt auf eine wenn auch noch so kleine Katastrophe. Die dann möglichst detailgetreu – das heißt, übertrieben breitwalzend ausgeschlachtet wurde. Denn der Katastrophenjounalismus war nun einmal gut fürs Geschäft. Als dann nur mehr die doch sehr seltenen Jahrhundertkatastrophen die abgebrühten Katastrophenleser zum Zeitungslesen verleiteten, begann eine kurzfristige Lesermangelkatastrophe, die die Zeitungsverleger und ihre Chefredakteure zu Panikbrainstormings veranlassten. Und siehe da – nach schon kurzer Zeit ward die Zeit der medialen Destruktionskultur angebrochen. Die des qualitativen Mobbings. So entstand u.a. das sogenannte politische Doppelmobbing. Der Spiegel z.B. mobbt seit geraumer Zeit ziemlich ausgewogen nicht nur die CDU-Merkel, sondern auch den SPD-Beck. Dieses doppelgleisige Experiment war aber für die meisten österreichischen Zeitungen und Zeitschriften doch etwas zu kompliziert und/oder unsicher. Also wurde der SPÖ-Gusenberger intensiv gemobbt und der ÖVP-Molterer nur ein bissl. Also durften z.B. die zahlreichen Destruktionsleser der sogenannten Qualitätszeitungen sowie auch die des Breitemeinungsundvolksempfindungsöffentlichkeitskleinformats erste Reihe Fußfrei miterleben, wie ein intelligenter Bundeskanzler ohne Medienaura so lange niedergemobbt wurde, bis er vor lauter Fehler erschöpft und sich selbst verleugnend in die offenen und vermeintlich schützenden Arme des Onkel Hans sank. Aber diese auflagenstarken Arme drückten nur einmal kurz, antidoppelspitzig und mitleidig zu – und schon hatten wir nur mehr einen Exbundeskanzler und vorgezogene Neuwahlen.

Ihre Meinung

1 Posting in diesem Forum
Gusi-Mobbing
Hubert Thurnhofer | 15.07.2008 01:18 | antworten
Gar so wild war das Gusi-Mobbing, dass aus dem -bauer eine -berger wurde. Bei aller berechtigten Kritik an der Journaille - aber mit Mobbing hat bad-news-journalism nichts zu tun.

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