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Zuerst die Barmherzigkeit und dann erst die Kunst?

Am 11. 3. wurde im Dommuseum die Hrdlicka-Ausstellung „Religion, Fleisch und Macht“ eröffnet. (Ein Dank an Herrn Direktor Bernhard Böhler). Einige Tage später wurde kardinalisch nachgedacht, ob man – 'um religiöse Gefühle nicht zu verletzen' – „Leonardos Abendmahl, restauriert von Pier Paolo Pasolini“ über die Osterfeiertage nicht abhängen sollte. Also wurde die Radierung am Gründonnerstag tatsächlich abgehängt. Und auf eine Schönborn’sche Anweisung auch nach Ostern nicht wieder aufgehängt. Nicht etwa wegen der nicht stattgefundenen Proteststürme von Besuchern der Ausstellung, sondern wegen zahlloser Protest-Emails von christlich-militanten vorwiegend amerikanischen Vereinigungen wie z.B. der sektiererischen „Amerikanischen Gesellschaft für Verteidigung von Tradition, Familie und Privateigentum“. Warum sinkt ein Wiener Kardinal auf seine dem Beten vorbehaltene Knie, wenn christlich fundamentale und rechtsradikale Lobbys gegen etwas protestieren, was sie aus einer biblischen, kirchengeschichtlichen und kunsthistorischen europäischen Tradition heraus ohnehin nicht verstehen können und auch gar nicht verstehen wollen? Auf was nimmt Kardinal Schönborn Rücksicht? Auf seinen nach Amerika reisenden Papst? Auf seine eigene intakte Karriere als möglicher Nachfolgepapst? Oder ist es nur seine Barmherzigkeit gegenüber scheinheiligen Sekten? Achso – Kardinal Schönborn ist ja derzeit in Rom. Als Leiter der „Tage der Barmherzigkeit“. Möge sein verloren gegangenes liberales Kunstverständnis barmherzig ein verzeihendes Auge zudrücken.

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Einige Gedanken dazu:
clemens stecher | 15.04.2008 08:20 | antworten
1. Möchte ich daran erinnern, dass Schönborn bereits 2005 einen Kommentar in der New York Times veröffentlichte, in dem er die Evolution nach Darwin für ungültig erklärte bzw. dem damals neuen Papst Benedikt XVI gegen Neodarwinisten beizuspringen sich bemüßigt fühlte. (http://www.nytimes.com/2005/07/07/opinion/07schonborn.html?_r=1&oref=slogin) Diesen "Lobbies" ist Schönborn offenbar verpflichtet. 2. Sind Schönborns Chancen, nach Ratzinger der nächste Papst zu werden, aus heutiger Sicht eher gering. Umso wichtiger ist es wahrscheinlich, nirgends anzuecken und sich auch jenseits des Atlantik Wege zu ebnen. Innerkirchliche Sekten sind zum Teil von erheblichem Einfluß auf Rom, etc. 3. Wie ein Poster in einem Standard-Forum dazu anmerkte, ist es rechtens, wenn die Kirche auf ihrem Grund und Boden entscheidet, was sie zeigen möchte. Nur ist Schönborn nicht "die Kirche". 4. Wäre es mir neu, wenn Schönborn, wenn auch dem Hochadel entstammend, jemals ein liberales Kunstverständnis gehabt hätte, da gibt es nichts zum zudrücken. 5. Besteht da vermutlich ein fundamentaler Zusammenhang zu Rainer Metzgers Glosse vom 07.04.2008.

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