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Ein großes Inserat mit einer kleinen runden Aussage

Im Standard letzten Samstag. Rot auf Gelb. Die Headline ist markig. \"Es ist Zeit, Position zu beziehen\". Die Subline polarisierend. \"Die Fronten verhärten sich: Wer nicht für uns ist, ist gegen uns\". Obwohl sie ja nicht polarisieren sollte. Oder? \"Wer hat, dem soll gegeben werden, wer nichts hat, der soll verlieren ... Kunst ist Öffnung\" Das könnte natürlich vieles heißen - nämlich sowohl als auch. Wenn nicht sogar entweder oder. Vielleicht heißt das aber auch weder noch. Wer weiß. Das MAK hat ja vieles zu bieten und nicht nichts. Und will mit Recht immer mehr bieten. \"Kultur ist Offenheit für das Mögliche\". Und Kulturoffenheit kostet Geld und das Mögliche kostet mehr. Aber wem dann was wegnehmen, wenn der Golddukaten scheissende Staatsesel fehlt? Also vielleicht doch jemand nicht für uns ist, ist gegen uns - wörtlich genommen? Dann folgt in diesem Inserat viel Rechtfertigung und viel Gegenrechtfertigung, Erklärung folgt Verschlüsselung, markige Kultur-Machtwörter werden von subjektiven Versprechungen verfolgt und mit Peter Noever unterschrieben. Und dann kommt sie endlich - die einzige Aussage, deren Wahrheitsgehalt wirklich nachvollziehbar ist. Rund, blau, nur 19mm im Durchmesser mit der weißen Inschrift: \"Jeden Samstag Eintritt frei\". Diese einfache Werbebotschaft - verunsichtbart mit einer ganzen Seite Noever?scher MAK-Philosophie - ist vielleicht schon die erste öffentliche Werbetat von Alexandra Thausing, der neuen PR- und Marketing-Managerin des MAK. Aber zurück zum freien Samstageintritt - ich gehe in Zukunft ungern am Samstag ins MAK. Gratis ist nämlich nicht wirklich gut. Doppelter Eintritt wäre besser gewesen. Ehrenwort - ich meine das ganz ernst. Dann hätten wir alle, die das Programm des MAK wirklich schätzen gelernt haben, am Samstag demonstrieren können, dass wir dafür sind und nicht dagegen. Dann müssten wir nicht das kunst(s)innige MAK mit Leuten teilen, die nur gratis da sind, weil es draußen regnet. Glaubt mir, der freie Eintrittssamstag klingt nach faulem kulturpopulistischem Zauber und nicht nach Zielgruppenmarketing.

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