Ana Berlin,
Kunst als Schönheit
Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land... ist das Motto des Guerlain-Beauty-Flagstore auf den Champs Elysée und Titel einer von Caroline Messensee kuratierten Ausstellung. Im aufwendig von Maxime d`Angeac und Andrée Puttman renovierten Maison Guerlain, inmitten der Pracht güldener Parfumsflacons behaupten sich zwölf Arbeiten, die um den Spiegel als Synonym für Schönheit und Selbstreflexion kreisen.
Nicht zwangsläufig sind Verbindungen zwischen Kunst und Unternehmen sinnstiftend, prallen doch allzu oft sehr unterschiedliche Vorstellungen aufeinander. Die Kuratorin löst diese Gratwanderung mit dem gewählten Thema und den präsentierten Arbeiten schlüssig auf, wenn auch ohne große Brüche zu provozieren. Eher taucht man ein in diese exquisite Welt des Wohlgeruchs und der Oberflächenpolitur, da geht`s der Kunst, wie der Besucherin.
Die Amerikanerin Patty Chang betrachtet sich in ihrem Video in einer spiegelnden Wasseroberfläche und was Narziss verstörte, greift Chang auf und "trinkt sich". Das Trinken lässt an sich selbst küssen und an das Öffnen und Schließen der Mäuler heiliger Goldfische denken. Der Argentinier Leandro Erlich verwendet in seinen Arbeiten gerne Glasscheiben, um den Betrachter in seine Tableaux Vivants "hineinzuspiegeln", hier zeigt er eine illusionistische Fotoarbeit, in der Menschen über eine Hausfassade gleiten.
Illusion spielt auch in der Super8-Installation von Jon Kessler eine Rolle: eine Barbie wird an eine Kamera montiert und kreist so, dass am Bildschirm eine leicht derangierte, vermeintlich auf und ab springende Puppe mit wehenden Haaren erscheint und uns an eigene Kindheitsfilme erinnert. Low tech zwischen Highend-Kosmetik.
John Miller hinterfragt in seiner Arbeit die Authentizität der glitzernden Beautywelt und baut eine Modelleisenbahnlandschaft ohne Züge, sondern variiert diese mit Plastikobstbergen in bunten Farben.
Die deutsch-iranische Künstlerin Patricia Parinejad will der Wahrheit auf den Grund gehen und lässt uns in Kinderaugen, dem Spiegel der Seele, blicken. Das wirkt im weiß-marmornen Spa-Bereich des Beautytempels nicht weniger pathetisch als anderswo.
Die Österreicherin Marlene Haring empfängt den Besucher gleich am Eingang mit einem Selbstbildnis, sprich sie hält einem den Spiegel vor. Ebenfalls ausgestellt sind ihre monochromen Niveacrème-Quadrate auf Spiegel, die im Laufe der Zeit vertrocknen und immer weniger ansehnlich werden. Mal sehen wie lang sich diese Arbeit in der Ausstellung hält! Der Traum von der ewigen Jugend ist so alt wie der Mensch und doch gibt`s das nur im Märchen. Oder in den Fotoarbeiten von Annelies Strba. Sie liefert Bildmaterial für zwei englische Mädchen, die zu Beginn des 20igsten Jahrhunderts Elfen im Wald gesehen haben möchten.
Ewige Jugend, Elfen, Kosmetik und Kunst, die die Welt besser aussehen lassen- nicht sehr realistisch, aber den Versuch ist es allemal wert!
(68 avenue des Champs Elysées, Paris)
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