Ana Berlin,
Fiac 2007: Laisser faire
Zwei Wochen nach dem Berliner Artforum und der letztwöchigen Frieze ging gestern die Eröffnung der 34. Fiac über die Bühne und soviel lässt sich schon jetzt sagen: man hat sich konsolidiert. Das Reformprogramm, das die künstlerische Leiterin Jennifer Flay der FIAC seit 2004 angedeihen lässt, greift, mehr denn je und trotzdem - Paris bleibt für den globalen Handel mit zeitgenössischer Kunst ein Nebenschauplatz. Allerdings der Schönste der Welt: vom Zelt im "Cour Carré" des Louvre lustwandelt man durch die herbstlichen Tuillerien, entlang mehr oder weniger gelungener skulpturaler Interventionen, vorbei am Jeu de Paume - diesjähriger Veranstaltungsort der Tables rondes - über den Place de la Concorde zum Grand Palais. Die Vorzüge dieser Venues liegen neben Tageslicht für die Kunst, auf der Hand - schöner kann die Ausstellungskulisse nicht werden. Im Herzen der Stadt, l`art de vivre à la français!
Mehr internationale Galerien als in den Jahren zuvor, darunter wichtige Global Player mit Signalwirkung wie Arndt&Partner, Cheim&Read, Paula Cooper oder David Zwirner sind 2007 (wieder) dabei. Andere wie Sadie Coles aus London, Art+Public oder Eva Presenhuber sucht man heuer vergebens. Neuzugang bei der jüngeren Generation gibt es u.a. mit Johann König aus Berlin, Zero aus Mailand und Foxy Productions (NY). Frische Durchmischung schadet nicht, variieren die Stand-Ideen und KünstlerInnen-Listen doch zumeist sehr wenig von einem zum nächsten Jahr.
Die Auswahl der Teilnehmer wurde abermals beschränkt und so beheimatet die große Kuppel des Grand Palais diesmal überschaubare 99 Galerien; deutlich mehr Raum als in den letzten Jahren nehmen Werke der klassischen Moderne und der Nachkriegszeit ein. So hat man bei der Galerie 1900-2000 das Vergnügen mit Bellmers und Picabias, museal gehts auch bei der Londoner Waddington Gallery zu u.a. mit einer Reihe Josef Albers (verschiedene Formate, ab 600.000 Eur); beinahe magisch präsentiert sich in diesem Weltausstellungs-Glashaus eine große Tinguely Maschine aus dem Jahr `86 und der Galerist Hans Meyer darf sich über deren Verkauf für 900.000 Eur erfreuen; bei Lelong zieht eine wüste Installation von Edward Kienholz alle Aufmerksamkeit auf sich, Templon verkaufte einen farbenfrohen Meese und Thomas Struth ging bei Marian Goodman für 150.000 Euro (Ed. 10) über den Ladentisch.
Den Spaßfaktor erhöht eine Arbeit von Wim-call me Disney!-Delvoy mit einer Selbstvermarktungspuppe inklusive "Kloaka", die bei Perrotin bereits für 230 Euro zu haben ist.
Österreichische KünstlerInnen sind im französischen Kontext ebenfalls wohl integriert: Maria Lassnig bei Hauser & Wirth im Programm, ephemere Malerei von Stefan Sandner erfreut sich großer Beliebtheit (bei Grita Insam um 15.000 Euro), Werner Reiterer inszeniert den Eingang zum Mittelpunkt der Welt vor den Toren des Louvre als Baustelle und Franz West manifestiert sich mit gagosischer Potenz am Place Vendôme. Design, 2004 ein Novum der Pariser Messe, stößt auf positive Resonanz bei Ausstellern und Publikum und wurde auf 10 Galerien erweitert.
Teenspirit ist im jüngeren Teil der Messe, im Cour Carré, nicht wirklich auszumachen, auch hier weitestgehend professionelle Pragmatik. Ins Auge stechen Arbeiten wie die Marmor-Imitation aus zerbrochenen Glasplatten des Bruno Peinado bei Loevenbruck oder die 3m hohe, mobile Wandzeichnung der Engländerin Zoe Mendelsohn bei Schleicher+Lange.
Fazit der FIAC 07: viel wird nicht riskiert, gewonnen trotzdem; und der Messe-VIP-Shuttledienst zahlt sich diesmal richtig aus, denn: rien ne va plus für den öffentlichen Verkehr: Streik im großen Stil gegen Sarkos Reformpläne!
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