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Frieze Art Fair 2007: Flohmarkt der Eitelkeiten

Ob es sich einfach nur um einen spöttischen Kommentar auf den Kunstbetrieb handelt oder tatsächlich um Kunst, war von den Betreibern der Team Gallery aus New York nicht herauszubekommen. Auf der Frieze in London wirkt das bunte Sammelsurium aus Nippes und Tand jedenfalls wie ein Relikt aus den chaotischen Hippietagen der Kunst zwischen all den geleckten und auf Hochglanz polierten Fetischen einer außer Rand und Band geratenen Kulturproduktion. Denn, und das ist irgendwie die gute Nachricht, der Zirkus geht weiter. Der erste Gradmesser nach dem Dämpfer an den Finanzmärkten schlägt deutlich nach oben aus. Dafür gibt es sicher mehrere Gründe. Einerseits darf nicht vergessen werden, dass London eben immer noch keine ausgeprägte Sammlerschaft vorweisen kann. Sollte die City als Käufer aufgrund ausbleibender Boni für Fondsmanager komplett wegfallen, betrifft das den Gesamtmarkt kaum. Zum anderen dürften gerade diese neuen Sammler mit mehr Geld als Kunstverstand zu den letzten gehören, die merken, wann die Party vorbei ist. Also wird munter weiter gefeiert. Dass die Frieze anders ist als andere europäische Kunstmessen, springt dem Besuch schon beim Betreten ins Auge: An der Außenwand der direkt am Eingang platzierten Lisson Gallery prangen drei riesige Leuchtkästen von Julian Opie mit dem Model "Kate" in der Frontal- und zwei Profilansichten, von denen einer gleich zu Beginn der VIP-VIP-Preview für 40.000,- Pfund verkauft wurde - an eine Londoner Sammlerin. Der gesamte Stand ist rein auf Verkäuflichkeit getrimmt: eine kleine Installation von Tony Oursler, eins der hochästhetischen Objekte von Anish Kapoor und ein Ensemble der gerade von den Freunden der Neuen Nationalgalerie preisgekrönten Ceal Floyer - 20 bunte Tintenflecken auf A4 zu insgesamt 18.000,- Euro plus Steuer. Der größte Auflauf herrscht wie imer am Stand von Jay Jopling/White Cube, wo die Gebrüder Chapman 20 Pfund-Scheine mit launigen Zeichnungen versehen. Weil die Aktion kostenlos ist, wächst die Warteschlange ins Absurde. Zwei Stunden sind das Minimum, die meisten stehen vier Stunden an - wohlgemerkt zur Preview am Mittag noch vor Einlass des Private View-Fußvolks. Der Zugang wird dieses Jahr nämlich restrikitver gehandhabt als in den Jahren zuvor, weil wegen des Gedränges die Verkaufsgespräche immer schwieriger wurden. Als künstlerische Replik auf den selbstentfachten Zirkus versteht die Messe ihr kuratiertes Projekt, dessen auffälligstes Werk eine Installation von Richard Prince ist. Da wischelt auf einer grossen Freiflaeche im Messezelt ein etwas trashiges Model mit einem Schwämmchen an einem aufgemotzten Ami-Schlitten der 70er Jahre herum, der sich auf einem Podest dreht. Von kuratorischer Seite liest sich das so: "Das Programm inkludiert neue ortsspezifische Projekte, die auf die sozialen und ökonomischen Dynamiken der Messe antworten." Immerhin sind auch einige nicht ganz so leicht verdauliche Positionen zu sehen, allerdings zumeist im rückwärtigen Bereich der Kojen. Bei Arndt und Partner aus Berlin zum Beispiel finden sich dort zwei der starren Puppen von Mathilde ter Heijne (Preis je 23.000 Euro) sowie ein Video. Christian Nagel hat ein schwer verdauliches Folterbild des Chinesen Gang Zhao zu 14.000,- Euro. Und Judy Lybke bespielt gleich seinen ganzen Stand mit den sperrigen Installationen von Birgit Brenner (Preise bis 28.000 Euro). Noch muss man die Hoffnung also nicht ganz aufgeben. Die ernsthafte Auseinandersetzung mit Kunst fndet jedoch woanders statt.
Frieze Art Fair 2007
11 - 14.10.2007

Frieze Art Fair
NW1 4RY London, Regent`s Park
Tel: + 44 (0)20 7025 3970, Fax: +44 (0)20 7025 3971
Email: info@friezeartfair.com
http://www.friezeartfair.com


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