Clementine Kügler,
Lo[s] Cinético[s]: Wände ohne Ende
Noch bevor man die Ausstellungshalle im von Jean Nouvel erweiterten Reina Sofía-Museum betritt, schwingen im Innenhof rhythmisch ratternd zehn Meter lange Stahlkabel zwischen dem dritten Stock des Sabatini-Gebäudes und dem Boden. Keiji Kawashima bereitet mit der eben erst fertiggestellten "Vertical Wave 35o" auf eine Schau vor, die der Bewegung in der Kunst gewidmet ist: sei sie mechanisch hervorgerufen - durch Magnete oder Elektromotoren - optisch durch die Veränderung des Blickwinkels des Betrachters, etwa bei Vasarely, oder durch Luftströmung wie bei den Mobiles von Alexander Calder. Berühmtes Beispiel für den Antrieb durch Wasser ist übrigens das barocke "Germaul" im Schlosspark Hellbrunn bei Salzburg. In Madrid hat Kurator Osbel Suárez 80 Objekte zusammengetragen, die vom Ende des 19. Jahrhunderts bis heute zeigen, was nicht nur in Paris - der Wiege der Kinetik - blinkt, schwingt, pendelt oder kreist. Ein Schwerpunkt liegt bei den lateinamerikanischen Künstlern, die mit der Gruppe Madi und einzelnen Kinetikern, etwa dem Venezolaner Jesús Rafael Soto, stark vertreten sind, die Deutschen hingegen fehlen. Eindruck macht die großformatige mobile Skulptur von Jean Tinguely "Dernièr collaboration avec Yves Klein" von 1988, die sich auf Knopfdruck zwei Minuten lang emsig rührt. Als optisches Spiel zeigt sich Salvador Dalís "Madonna" von 1958, die aus dem New Yorker Metropolitan Museum nach Madrid geholt wurde und sich dem Betrachter erst aus der Entfernung als Muttergottes entpuppt. Statt die moderne Halle mit Kabinetten und Stellwänden zu blockieren, wäre eine großzügigere Gestaltung wünschenswert gewesen: Dalí und Tinguely hätten unbedingt mehr Platz gebraucht. Schön sind die Lichtspiele eingesetzt, die sich in dunklen Glaskojen unendlich vervielfältigen, etwa Eusebio Semperes "Ley de la buena forma", eine Scheibe rot, grün, gelb und blau aufleuchtender Glühbirnen von 1968. Als modernen Digitaldruck aus dem letzten Jahr zeigt sich die große Farbspirale von Felicidad Moreno "Hipnótico 009". Wirklich hypnotisierend ist der kleine 35 mm-Film von Marcel Duchamp "Anémic Cinema" aus dem Jahr 1925 und gleich daneben László Moholy-Nagy mit seinem "Lichtspiel schwarz weiß grau" - beide aus dem Pompidou - an dessen Schluss sich eine Kugel dreht mit dem Wort "ende".
Mehr Texte von Clementine Kügler
Lo[s] Cinético[s]
27.03. - 20.08.2007
Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía
28012 Madrid, Santa Isabel 52
Tel: (+34) 91 774 10 00, Fax: (+34) 91 774 10 56
http://www.museoreinasofia.es/
Öffnungszeiten: Mo-Sa 10-21, So 10-14.30 h
27.03. - 20.08.2007
Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía
28012 Madrid, Santa Isabel 52
Tel: (+34) 91 774 10 00, Fax: (+34) 91 774 10 56
http://www.museoreinasofia.es/
Öffnungszeiten: Mo-Sa 10-21, So 10-14.30 h
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