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Eros und Ekel

Also gut - wenn`s nach der letztwöchigen "Presse"-Kritik von Frau Spiegler geht, dann wollen und sollen sich die Frauen die Ausstellung "Eros in der Kunst der Moderne" im BA-CA Kunstforum auf keinen Fall ansehen. Denn es "...beginnt der sensibilisierten (?) Besucherin im Magen zu kribbeln". Allerdings nicht vor Erregung sondern vor Ekel". Die Männer dürfen diese Ausstellung allerdings auch nicht besuchen. Es sei denn, es ist ihnen egal, als an "kopflosen Vulvas" interessierte lüsterne Greise entlarvt zu werden. Denn "im Kunstforum sabbert es lüstern". 83% der gezeigten Arbeiten nur Aktdarstellungen von "ausgebeuteten, namenlosen Modellen". Die Skulpturen, die Malereien, die Zeichnungen - alles nur Sauereien. Dazu dienend, Frauen zu erniedrigen und Männer zum Sabbern zu bringen. Auch die großen Namen bekommen bei Frau Spiegler ihr Fett weg. Schiele, Nolde, Rodin, Klimt, Beckmann, Freud, Bellmer, Sherman. Nix als "Nacktheit, Sex, Perversionen". Schade Frau Spiegler. Das klingt alles so unerbittlich, so frustriert. Sie hätten ja zumindest ein bissl was darüber schreiben können, ob die Qualität der gezeigten Kunstwerke jenseits der von ihnen zitierten "Materialschlacht nackter Frauenkörper" einen Ausstellungsbesuch wert ist. Immerhin ist die Ausstellung von der Beyeler Foundation/Basel gekommen und die Chefin vom Kunstforum ist wahrscheinlich beim Anblick der Bilder auch nicht ekelgeschüttelt im Erdboden der Freyung versunken. Allein der in ihrem Bericht "Anleitung zum Voyeurismus" abgebildete Nolde - ist das nicht einfach tolle Malerei? Davon abgesehen gäbe es eventuell ja auch noch eine andere Möglichkeit, sich dieser Ausstellung zu nähern. Jenseits der verurteilenden sabbernden und lüsternen Greise. Vielleicht wäre es z.B. - und nur so ganz nebenbei - möglich, dass intellektuelle und emanzipierte Frauen auf Ihre Geschlechtlichkeit (ich hoffe, das klingt jetzt echt unsabbernd) durchaus stolz sind. Und auf ihr manchmal politisch unkorrektes Vergnügen, die Männer jeden Alters erotisch und sexuell zu erregen und ihnen dabei in die verlangenden Äuglein zu sehen. Dann könnte diese Ausstellung nämlich auch ohne kribbelnden Ekel besucht werden. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte.

Ihre Meinung

5 Postings in diesem Forum
Frustriert?
Nina Schedlmayer | 09.03.2007 03:52 | antworten
Lieber artmagazine-Kollege Lang, Almuth Spieglers Besprechung in der Presse habe ich mit Vergnügen gelesen - das Problem dieser Ausstellung brachte sie scharf, treffend und witzig auf den Punkt. Seit jeher werden aber Frauen, die sich gegen Sexismen wehren (und, man muss es halt leider so sagen, selbst die intelligentesten Avantgardisten waren zwar meistens Frauenfreunde, aber selten Feministen), gerne ins Frustrierten-Eck gestellt - wie Sie es hier auch tun. Das ist ein bisschen degoutant - und es entspricht genau jenen Klischees, die auch in einer solchen Ausstellung transportiert werden. Dabei dachten wir schon, das sei jetzt mal gegessen. Mit besten Grüßen, Nina Schedlmayer.
Liebe artmagazine-Kollegin
Manfred M. Lang | 10.03.2007 01:08 | antworten
Nur drei Punkte: 1)ich entschuldige mich dafür, dass ich auch nach nochmaligem Lesen den auf den Punkt gebrachten Witz nicht verstanden habe. 2)Sexismen sind keine Einbahnstrasse (siehe die sabbernden geilen Greise - oder ist das der Witz?). 3) Und was die Kunst betrifft: eros - thanatos - religio das war's und das ist's. Alles Liebe MML
Es ist toll, dass sich mehr Galerien trauen ...
Bettina Weiner | 12.03.2007 08:41 | antworten
... erotischer Kunst eine Präsentationsmöglichkeit zu geben. Wer Probleme mit diesem Thema hat, sollte sich die Qualen doch ersparen und diese Zone einfach meiden. Ich seh' es an den Besuchern der INASAJA Galerien im Internet - weltweites Interesse an allen Genren in unterschiedlichster erotischer Intensität. Viele Grüße aus Deutschland Bettina Weiner
Also Zensur?
Martin Praska | 13.03.2007 08:42 | antworten
Den Feminismus und alle politische Korrektheit in Ehren, und gut möglich, dass sich sensible Naturen immer noch durch Kunst berührt fühlen. (Halleluja, das scheint ja Gott Eros sei Dank wieder mal der Fall zu sein!) Ob angenehm oder unangenehm, geschmeichelt oder verärgert, beschämt oder befreit, das wollen wir u.a. in Ausstellungen erregt diskutieren. Aber darf man jetzt die Ergebnisse Jahrzehntausender (sexistischer) Kunstgeschichte nicht mehr zeigen, dann sollten wir den Louvre, das KHM und die Vatikanischen Museen zusperren. Es könnte Leute geben, die sich darinnen ekeln. Ja, und bitte wieder Palmers Plakate übermalen! Pfui Teufel nochmal!
sex sells..
Martin Praska | 14.03.2007 10:55 | antworten
wer wüßte das besser als die Ausstellungsmacher unserer Tage. Frau Spieglers Standpunkt versteht sich ja von selbst, umso bedauerlicher, dass man Ihnen Herr Praska und dem geschätzten Ausstellungsmacher Manfred Lang noch extra erklären muss, dass diese Art Hitparadensampler zu produzieren eben eine sehr billige ist. Sie wird außerdem den Künstlern in keiner Weise gerecht, da sie ihr Werk auf einen - zugegebenermaßen sehr obsessiven - Teilaspekt reduziert. Aber die Besucherzahlen werden dem Kunstforum schon Recht geben bei derlei Marginalisierung und Verkitschung der Kunstgeschichte. Natürlich bekommen wir nebenbei auch große Kunst zu sehen, wer wollte das bezweifeln, aber musss sie denn heutzutage immer in einem reißerischen Hochglanzmagazin verpackt sein, das uns einen abgenutzten Tabubruch immernoch als geil verkauft? Trotzdem, Frau Spiegler, möchte ich sie bitten, die ältere männliche Generation nicht generell als die lüsternere zu verunglimpfen als die jüngere. Da verkehren Sie wohl díe hormonelle Wirklichkeit.

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