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November 2006: Einfach zuschauen

Nicht immer ist ein Galerierundgang in Paris von vielsagenden Ausstellungen gekrönt, im Moment allerdings - vermutlich auch aufgrund des internationalen Publikums, das sich ob der letztwöchigen FIAC in der Stadt einfand - ist so einiges zu sehen, auch mit reger Beteiligung österreichischer KünstlerInnnen. Ganz allgemein lässt sich feststellen, dass die in der Rue Louise Weiss gelegenen Galerien, Nähe Bibliothèque Nationale, sich nach Abschluss der aktiven Transformationsphase und Bautätigkeit in diesem Bezirk, einer nach dem anderen neue Quartiere suchen. Mehrheitlich zieht man zurück ins Stadtzentrum und eröffnet, so wie Almine Rech oder Emmanuell Perrotin, neue Räumlichkeiten im Marais. Erstere zeigt derzeit eine brandneue und ziemlich verspielte Installation von Joseph Kosuth, der den ganzen Raum mit für ihn wichtigen Referenzen, sprich Büchern aus Philosophie und Literatur, auslegt, begleitet von Neonleuchtboxen mit Bibliotheksaufnahmen und Zitaten zum Thema Lesen und Kunst. Perrotin zeigt Takashi Murakamis Superflat-Blumengesichter und Manga-Mäuse, ab 70.000 Euro - die Schau war schon am Eröffnungsabend ausverkauft. Klein und fein nimmt sich da die Ausstellung "72 to 83 percent of chance" bei der Galerie Frank Elbaz aus, in der neben Rita Vitorellis ephemeren Raumansichten, sehr schlichte, aber nicht unpoetische Arbeiten des jungen Amerikaners Jordan Wolfson und eine entfernt an Sophie Calle erinnernde Videogeschichte der Französin Marcellinge Delbecq zu sehen sind. Der Vollständigkeit halber: T. Ropac und Yvon Lambert zeigen beide großflächig Anselm Kiefers Hommage an Paul Celan, Marian Goodman neue Jeff-Wall-Arbeiten. Außerdem noch im Marais: Erwin Wurm mit nachtblauem Fat Car und anderen Skulpturen bei Anne de Villepoix, Franz West bei Ghislaine Hussenot, bunt und frisch. Und eine Entdeckung: die 1976 geborene Engländerin Zoe Mendelson schmückte die Galerie Schleicher+Lange mit einer detailreichen Bleistift-Wandzeichnung, in der sich erst bei genauerer Betrachtung eine Welt aus viktorianischer Opulenz und erotischem Kammerstück offenbart. In der Rue Louise Weiss gefiel vor allem die Arbeit der Dänin Pia Rönicke, die sich in Berlin auf die Suche nach Rosa Luxemburg begab, zu sehen bei gb agency. Und die von dem amerikanischen Sammler Bill Cournoyer kuratierte Malereiausstellung "under pressure", ebenfalls mit österreichischer Beteiligung durch Constanze Schweiger, bei art: concept. Erwähnenswert auch die Schau in der Galerie Jocelyn Wolff im 20. Arrondissement, unter anderem mit Beiträgen von Marlene Haring und Andreas Fogarasi; Haring beeindruckte außerdem in einer Performance, bei der sie die Galeriefensterscheiben recht akribisch mit ihrer Zunge abschleckte. Referenz an monochrome Malerei, Hausarbeit und Körperkunst. Zum Zuschauen nicht ganz einfach.
Mehr Texte von Ana Berlin

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November 2006
08.11. - 31.12.2006

Galerienrundgang Paris
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