Ana Berlin,
FIAC 33: L`Art de Paris!
Die 33. FIAC punktet auf ganzer Linie: im wiedereröffneten Grand Palais, dem imposanten Glaskuppelbau am Fuße der Champs Elysée, bietet ein unvergleichlich glamouröseres Ambiente als die Messehallen am Stadtrand der letzten Jahre. Des weiteren konnte ein zweiter, ähnlich prestigeträchtiger Ort für die aufstrebenden Galerien gewonnen werden: im Herzen des Louvre, im Cour Carré, bespielen 71 Galerien, davon 9 für Design, ein luftiges, tageslicht-durchflutetes Zelt inmitten der historischen Fassaden. Zwischen den beiden Venues kann der werte Besucher dann entweder durch die Gärten, die Tuilerien, lustwandeln und teils ausgesprochen geglückte Installationen im öffentlichen Raum betrachten oder er gönnt sich eine Fahrt mit dem bereitgestellten "Navette", dem Doppeldeckerbus, um zu pendeln.
Die rigorose Kürzung der teilnehmenden Galerien um 25% im Vergleich zu den letzten Jahren (und dies aus pragmatischen Platzgründen) dient dem Augenschein nach einer tatsächlichen Qualitätssteigerung der Stände und hat -obwohl die Veranstalter da nicht immer einen Zusammenhang sehen- zur Folge, dass parallel zur FIAC dieses Jahr gleich drei weitere Messen in Paris stattfinden. (SLICK: 25 Galerien zeigen im Künstlerviertel Belleville, DIVA - Messe für Digitale und Video-Kunst im Hotel Kube, das seines Zeichens eine Bar aus Eis hat und SHOW OFF, eine Messeinitiative mit 28 Galerien im Espace Pierre-Cardin, Nähe "Madeleine").
Zu sehen gibt es Vieles und wirklich vieles gefällt: von der jüngeren Generation sei die Pariser Galerie Schleicher+Lange erwähnt, die ihren Stand zum Kino umbaute und so ideale Rahmenbedingungen für eine sehr kontemplative Video-Arbeit des Franzosen Laurent Montaron zum Hindenburg`schen Zeppelinbrand schaffte (für 8.500 Euro, Ed. 5 - der Fonds der französischen Staatssammlung sicherte sich schon ein Exemplar). Aufsehen erregend auch der Stand der Brüssler Galeristin Catherine Bastide mit einer Installation der Amerikaner T. Kelly Mason und Diana Thater mit Titel "The future that almost wasn`t" für 25.000 US$, preiswerter und nicht weniger ansprechend auch Masons collagierte Hommage an Allen Ginsberg um 6.000 US$. Mitunter lassen sich auch politische Statements ausmachen, so zum Beispiel in der Video-Arbeit des litauischen Künstlers Deimantas Narkevicius: er schnitt ein CNN-Dokument und die Aufnahmen eines Amateurs so um, dass die Lenin-Statue in Vilnius nicht gestürzt, sondern wiedererrichtet wird, zu sehen bei gb agency, käuflich zu erwerben um 28.000 Euro. Oder auch Carsten Höllers gewitzte Ahnengalerie hybrider Vogelsorten bei Esther Schipper für 22.000 Eur.
In jedem Fall sollte man mit seinen Einkäufen schnell sein, denn der Euro rollt und die Stimmung unter den Galeristen könnte besser nicht sein: zu vorgerückter Stunde am Eröffnungsabend waren einige bereits rundum beglückt (Gritta Insam: "Richten Sie aus, ich bin zufrieden!"), andere überhaupt ganz ausverkauft. Bei den großen Pariser Galerien wie Yvon Lambert oder Emmanuell Perrotin summte es wie in einem Bienenhaus vor Publikumsandrang, bei Thaddäus Ropac, der eine Einzelpräsentation mit Tony Cragg-Skulpturen präsentiert, gewinnt man den Eindruck, er habe "wegen Reichtum geschlossen".
Nach den letzten Jahren zähen Ringens um ihren Platz unter den wichtigsten internationalen Messen wird 2006, so scheint es, für die FIAC den Wendepunkt zum Positiven markieren.
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