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Heute kein Evidenzproblem - Junge österreichische Positionen: Gegenwartspanorama

Die Bildung von Labels à la "Neue Leipziger Schule" oder YBA liegen Österreichs Kunstszene fern. Hierzulande gibt man künstlerischer Individualität gegenüber Gruppendynamiken den Vorzug, obschon der Blick in manche Klassen der heimischen Kunsthochschulen in der Vergangenheit zeigte, dass hier durchwegs stilbildende Tendenzen schlummerten. SchmalixianerInnen oder Muntean/RosenblumerInnen könnten diese zum Beispiel heißen. Klingt beides aber gar nicht cool und marktkompatibel. Freuen wir uns deshalb über ein künstlerisches Klima, das Kunstschaffenden zumindest ermöglicht, unabhängig von gehypten Strömungen ihre Werkideen zu entwickeln. Welch unterschiedliche und beeindruckende Potenziale dabei insbesondere die Generation der zwischen 1966 und 1981 Geborenen freisetzt, zeigt die von Eva Schlegel kuratierte Schau, die neben ausgewiesen fotografischen Positionen auch Einblick in die Arbeit mit Video, Malerei, Installation und Zeichnung gibt. Nach "Endlich sechs und 20!" im Frühling 2002 ist dies Schlegels zweiter kuratorischer Auftritt im WestLicht. Der Gutteil der nun vorgestellten KünstlerInnen war schon damals mit dabei und die meisten der insgesamt 24 TeilnehmerInnen haben bei Schlegel studiert. Die Ausstellung bietet Vertrautes wie Andrea Witzmanns eigentümlich entleerte Innenraumaufnahmen und Miriam Bajtalas Video "Paranoia", das sich an der Blickführung von Shooter-Games orientiert. Markus Krottendorfer zeigt hier, erzählerisch unterfüttert, eine Car-Crash-Diashow in Schwarzweiß. Sabine Jelineks Fotografien persiflieren Selbstporträts von Elke Krystufek und Fiona Rukschcio besticht durch Ironie, indem sie in ihrem "Aktienvideo" die Bedeutung ihres Schaffens von Angehörigen des Kunstbetriebs freischöpfen lässt. Vor allem aber gibt "Heute kein Evidenzproblem" - den Titel stiftete Raoul Schmidts Neonschrift-Installation - Anlass zu Neuentdeckungen. So versteht es Johanna Kirsch auf ausgesprochen erquickliche Weise ihren Roadmovie mit Elementen des Animationsfilms und modernen Märchens zu verknüpfen. Frauenpower der etwas radikaleren Art tut sich in Judith Pichlmüllers Videoinstallation kund: Horden von Küchenschaben fallen darin einem weißen Stöckelschuh zum Opfer. Mit Malen nach der Natur will es in Stefan Uggowitzers slapstickartiger Monitorarbeit so gar nicht klappen. Kaum sind Staffelei und Leinwand schön positioniert, fällt alles wieder um: Sisyphos lässt grüßen! Berührende fotografische Porträts von schlafenden Obdachlosen hat Christina Tsilidis geschaffen. Ausgestopfte Tiere kommen durch Sprechblasen in Edith Payers Arbeiten zu Wort und Markus Gradner pfropft Schukostecker um Schukostecker zu einem Megaschaltsystem zusammen. Nikola Hansalik ist Kunsträubern auf der Spur und Rita Nowak revitalisiert in inszenierten Fotografien klassische Bildtopoi. Ausstellungen wie diese kann man nur begrüßen. Schon allein deshalb, da man auf Fragen wie "Kennst du interessante KünstlerInnen, vor allem unter 30?" endlich gute Antworten geben kann.
Heute kein Evidenzproblem - Junge österreichische Positionen
27.06 - 30.07.2006

Westlicht. Schauplatz für Fotografie
1070 Wien, Westbahnstrasse 40
Tel: +43 1 522 66 36 - 0, Fax: +43 1 523 13 08
Email: info@westlicht.com
http://www.westlicht.com
Öffnungszeiten: täglich 11-19h, Do 11-21 h


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