Werbung
,

La Force de l`Art: think big

"La Force de l`Art" nennt das französische Kulturministerium die aktuelle Bespielung des im letzten Jahr wiedereröffneten Grand Palais am Fuße der Champs Élyssées. Ganz entgegen der Lamenti, die sich im Vorfeld zur Eröffnung durch die französische Presse zogen, nämlich dass der schwer angeschlagene Noch-Premier Dominique de Villepin die Schau für seine Zwecke instrumentalisieren wolle, gelingt hier tatsächlich Erfreuliches: ein differenzierter Einblick in heutige französische Kunstproduktion. Die Ironie der Geschichte: ob der kurzen Vorbereitungszeit (geplant wurde erst seit letztem Oktober) fand sich kein Kurator, der die Verantwortung übernehmen wollte und so wurde aus der Not eine Tugend: 15 Kritiker und Kuratoren sind eingeladen, jeweils einen Teil des riesigen Glaskuppelbaus unter eigenem Titel, der Auswahl "ihrer" Künstler, eigenem Standpunkt und theoretischen Konzept zu bearbeiten. Unter den Kuratoren finden sich Journalisten der führenden Kunstzeitungen (Beaux Art, Art Press - natürlich auch nicht ungeschickt, die Fachpresse gleich mit einzuladen), Museumsleute wie Dijon-Kunsthallen-Direktor Eric Troncy und international renommierte Kuratoren wie der seit 15 Jahren in Paris lebende Hou Hanru (Biennale Venedig, Biennale Johannesburg) oder Lorand Hegyi, nach langen Jahren Wien, nunmehr in Frankreich und seines Zeichens Direktor des Musée d`art moderne de Saint-Etienne. Lässt man sich vom Schick der Messestand-Architektur nicht abschrecken, dann findet man unter den 300 Arbeiten von etwa 200 KünstlerInnen - jeder nach seinem Gusto - mehr oder weniger gelungene Zusammenstellungen. Vertreten sind die hinlänglich bekannten französischen Positionen mit Arbeiten u.a. von Bertrand Lavier, J-L. Bustamente, Christian Boltanski oder Annette Messager, die jüngere Generation mit Mathieu Mercier, Xavier Veilhan, Bruno Serralongue, aber auch "Entdeckungen", die Lust auf weitere Betrachtung machen, wie Magali Claude oder François Curlet. Ein Großteil der Arbeiten stammt aus staatlichen oder privaten Sammlungen, sprich: die KünstlerInnen hatten nicht allzu viel mit der Konzeption vor Ort zu tun. Das spürt man und der Preis der Pluralität ist wie so oft bei großen Schauen, Beliebigkeit und das Gefühl, das sich in diesem weitläufigen Ganzen, nichts so recht verdichten will.
Mehr Texte von Ana Berlin

Werbung
Werbung
Werbung

Gratis aber wertvoll!
Ihnen ist eine unabhängige, engagierte Kunstkritik etwas wert? Dann unterstützen Sie das artmagazine mit einem Betrag Ihrer Wahl. Egal ob einmalig oder regelmäßig, Ihren Beitrag verwenden wir zum Ausbau der Redaktion, um noch umfangreicher über Ausstellungen und die Kunstszene zu berichten.
Kunst braucht Kritik!
Ja ich will

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung

La Force de l`Art
10.05. - 25.06.2006

Grand Palais
75008 Paris, Avenue Winston Churchill
https://www.biennale-paris.com/
Öffnungszeiten: täglich 11-21 h

Ihre Meinung

Noch kein Posting in diesem Forum

Das artmagazine bietet allen LeserInnen die Möglichkeit, ihre Meinung zu Artikeln, Ausstellungen und Themen abzugeben. Das artmagazine übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der abgegebenen Meinungen, behält sich aber vor, Beiträge die gegen geltendes Recht verstoßen oder grob unsachlich oder moralisch bedenklich sind, nach eigenem Ermessen zu löschen.

© 2000 - 2026 artmagazine Kunst-Informationsgesellschaft m.b.H.

Bezahlte Anzeige
Bezahlte Anzeige
Bezahlte Anzeige
Gefördert durch: