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Ein Hilferuf

Philippe Sollers charakterisierte - letzten Samstag in Metropolis auf arte - den Zustand unserer Gesellschaft als tragische Hinentwicklung zum Plebs. Der Plebs oben regiere den Plebs unten. Diese überspitzt klingende Formulierung eines philosophierenden Schriftstellers wird sofort real, wenn man sich den derzeitigen Zustand Kärntens ansieht. Der Herr Landeshauptmann und seine Vasallen und -innen halten sich z.B. derzeit eine Frau Andrea Madesta als Direkorin des Museums Moderner Kunst Kärnten. Und diese rief letzten Freitag im Standard in einem Interview mit Thomas Trenkler um Hilfe. Weil - man lässt sie nicht. Weder darf sie den Spielplan bestimmen, noch darf sie beim Budget oder ihrem Personal auch nur ein bissl mitreden. Sie darf die an sie adressierte Post auch erst dann lesen, wenn ihr diese von einer gewissen Frau Napetschnig erst nach einer in Kärnten "üblichen Voreinsicht" an sie weiter geleitet wurde. Jetzt kann man natürlich sagen, Frau Madesta, eine gebürtige Nünrnbergerin, hätte vor ihrer Bewerbung nichts vom Gesetze ignorierenden, kotzsprechenden Landeshauptmann Haider und seiner gartenzwergigen Kunstvorstellung gehört und/oder gelesen. Das ist aber doch ein bissl unglaubwürdig. Oder hat sie das, was sie gelesen und gehört hatte, einfach nicht geglaubt??? Sehr leichtsinnig, aber gut - jetzt weiß sie es leider besser. Aber warum jetzt dieser Hilferuf??? Warum nicht einfach ein stiller oder auch tosender Abgang??? Wenn das, was Frau Madesta Herrn Trenkler erzählt hat, auch nur in Ansätzen stimmt, könnte sie wegen Nichteinhaltung diverser Punkte eines Arbeitsvertrags einfach abgehen. Oder steht vielleicht in diesem, dass sie nichts zu reden und bestimmen haben wird und eine gewisse Napetschnig zur Postvoreinsicht berechtigt ist??? Glaubt sie vielleicht, der Kärntner Oberplebejer wird nach diesem Schreckschuss im "Standard" die Kunstszene in Kärnten nicht mehr politisch missbrauchen??? Bitte Frau Medesta - nicht naiv sein. Wenn aber Frau Madesta glaubt, dass ihr z.B. aus welchen finanziellen Gründen auch immer außer Hilfe rufen nichts anderes übrig bleibt als zu bleiben, dann sollte die außerkärntnerische Kunst- und Kulturszene helfen. Und zwar jetzt und schnell. Mit zeitbefristeten Kuratorenjobs, mit Katalogtexten, mit Feuilletontexten, mit Beraterjobs oder was auch immer. Jeder nur mögliche Job wird für das Selbstwertgefühl von Frau Madesta besser sein als eine entmündigte Museumsdirektorin für moderne Kunst in Kärnten spielen zu müssen.

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