Ana Berlin,
DADA: most wanted!
Erstmals seit 40 Jahren widmet das Centre Pompidou in Paris, in Kooperation mit dem MOMA New York und der National Gallery of Washington, den Protagonisten und Zentren des Dadaismus eine groß angelegte Materialschau. Die Ausstellungsarchitektur von 40 Einzelkojen auf 2200 m2, betitelt nach Städten, KünstlerInnen und thematischen Überschriften wie "Critique Sociale" und "Magazines", bemüht sich laut Kurator Laurent Le Bon Prinzipien des Dada zu suggerieren: den anarchistischen Gestus und die Parallelität der einzelnen Gruppen, sowie das Allumfassende, rigoros auf allen Ebenen Agierenden der Dadaisten. So möge sich der Besucher seine Dada-Erfahrung chronologisch, selektiv, von hinten nach vorn, sprich "nach Belieben" einverleiben.
Inmitten der Wogen des ersten Weltkriegs findet sich eine Hand voll KünstlerInnen, auf der Flucht vor der Kriegsmaschinerie, im neutralen und quasi über Nacht kosmopolitisch gewordenen Zürich wieder. Aus einem Künstlertreff, dem Cabaret Voltaire, entsteht bekanntlich ab 1916 eine Bewegung, die sich aus heutiger Perspektive als kurz, intensiv und wegweisend für die Kunst des 20. Jahrhunderts präsentiert.
Was uns in späteren Jahren als Fluxus, Happening, Pop-Art begegnet, legen die Dadaisten in Grundparametern zwischen 1916 und Anfang der 20er Jahre fest. Filmexperimente, Simultan-Gedichte, genreübergreifende Inszenierungen, Infragestellung der Massenmedien, Aufhebung der Autorenschaft, Spontaneität als legitimes Gestaltungsmittel...- Dada mit seinen ausfransenden Enden ist keine historische Begebenheit, es stand und steht für ein "state of mind". Und die Ausstellung versteht es, trotz lese-intersiver Rezeption, dies zu vermitteln.
Vorbei auch die Zeit, als Dada primär als destruktive, negative Anti-Kunst stigmatisiert war, im Gegenteil wird nicht ungern auf die Referenz "Dada" für "jung und wild" in der heutigen Kunstproduktion hingewiesen. In diesem Sinne steht die Schau auch in Verbindung mit in diesem Hause veranstalteten Ausstellungen wie "Dionysac" oder der etwas mitglückten Sammlungsneuaufstellung "Big Bang".
Also, obwohl Dada nicht erst seit dieser Ausstellung ein gern untersuchtes und erforschtes Kunstkapitel ist, wird man selten Gelegenheit finden Dokumente, Arbeiten, Publikationen so gebündelt - im Original - vorzufinden. Und für alle, die erstmals auf Ball, Tzara, Hausmann und Co. stoßen, sei der umfangreiche und dafür preisgünstige Katalog (39,90,- Eur) zur intensiven Nachbearbeitung empfohlen.
Weitere Stationen:
National Gallery of Washington: 19.02.-14.05. 06
Museum of Modern Art, New York: 16.06.-11.09. 06
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DADA
05.10.2005 - 09.01.2006
Centre Pompidou
75191 Paris, Paris cedex 04
Tel: +33 (1) 44 78 12 33
http://www.centrepompidou.fr
Öffnungszeiten: täglich von 11.00 bis 21.00 Uhr
05.10.2005 - 09.01.2006
Centre Pompidou
75191 Paris, Paris cedex 04
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Öffnungszeiten: täglich von 11.00 bis 21.00 Uhr
Ihre Meinung
1 Posting in diesem ForumDie Ausstellungsarchitektur...
Agnes Domfeh | 12.12.2005 20:29 | antworten
dient hier sowohl als sehr gelungen konzipiertes Koordinatensystem hinsichtlich der rein räumlichen Orientierung des Betrachters in der Fülle des Materials als auch als für das Wesen des Dada sprechenden "Lesezeichens".
Vielen Dank für diese Besprechung!
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