Ana Berlin,
Liam Gillick: Reduziert aufs Wesentliche
Ausgangspunkt der Ausstellung von Liam Gillick im Palais de Tokyo ist eine Fiktion, angesiedelt zwischen sozialistischer Desillusionierung und utopistischem Gedankenspinnen in einer Welt des Kapitalismus. Mit großer Leichtigkeit verzichtet Gillick aber auf das Bemühen großer Ideologien, sondern bedient sich ihrer, verpackt sie in seine Geschichte und transformiert so historische Gesellschaftsmodelle zu einer sehr gegenwärtigen Konzeption.
Eine Fabrik wird ihren Arbeitern überlassen. Diese sind nun bestrebt, ihr Arbeitsumfeld kontinuierlich zu verbessern. Mit fortschreitendem Tun, geht aber auch die Erschöpfung des einzelnen einher. Ein Vicious Circle, der die Idee des Idealzustands ad Absurdum führt. So die Kurzfassung der Gillick`schen Geschichte, die sich im Laufe der Ausstellung auch als Buch manifestieren soll. Zu sehen gibt es assoziative Szenen, die den Fortlauf dieses Experiments beschreiben. Die Firmenbelegschaft schneidet ein Fenster in den Maschinenraum, um in die Berge zu sehen, der Besucher durchwandert eine Bergketten-Attrappe in bunten Farben. Das Großartige dieser Ausstellung besteht aber gerade in der Nicht-Konkretisierung einer gesellschaftlichen Utopie und deren Bebilderung, sondern in seiner spielerischen Simplizität, die auch ganz frei von Dogmen gelesen werden darf.
Gillick interessiert die Neuinterpretation von Geschichte. Das Hinterfragen von vermeintlichen Wahrheiten, mit den Mitteln der Kunst. Historische Begebenheiten werden dabei ebenso neu aufgerollt, wie die formale Sprache von in die Kunstgeschichte eingegangenen, und damit als festgeschriebene Größen behandelten Strömungen. Mit einem Augenzwinkern erinnern die farbigen Käfige an Judd`sche Boxen; die Bergkulisse aus Metallelementen sieht wie ein verspieltes Neo-Geo Zitat aus; Glitzer am Boden, den die Besucher durch ihr Gehen zu immer neuen Formationen verändern, erinnert an David Bowies Hose, wenn er uns glaubhaft versichert "We can be Heros, just for One Day". Das Plakat wirbt für die Ausstellung stilecht in sozialistischem Rot, wie zu besten Zeiten des sich zur Macht aufschwingenden Proletariats. Das Motiv des Fabrikschornsteins in der geballten Faust ist allerdings ersetzt durch die Tür und Tor öffnende Kreditkarte.
Zitate sind allgegenwärtig und mit englischer Ironie stellt Liam Gillick seine Fragen zur Vergangenheit so gekonnt, dass sie visionär über die Gegenwart hinausweisen.
Mehr Texte von Ana Berlin
Liam Gillick
26.01. - 27.03.2005
Palais de Tokyo
75116 Paris, 13 avenue du président Wilson
Tel: +33-1-4723 5401, Fax: +33-1-4720 1531
Email: cotact@palaisdetokyo.com
http://www.palaisdetokyo.com
26.01. - 27.03.2005
Palais de Tokyo
75116 Paris, 13 avenue du président Wilson
Tel: +33-1-4723 5401, Fax: +33-1-4720 1531
Email: cotact@palaisdetokyo.com
http://www.palaisdetokyo.com
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